Überraschungstermin
Mein Mundhygiene Status
Sie fängt an, die Färbelösung aufzutragen und erklärt dabei den Zuschauern: „Ich färbe jetzt die Zahnbeläge an. Je nach Alter der Beläge geht dann die Farbe von hellrosa, bei frischem Belag, bis zu dunklem lila, bei ganz altem Belag.“
Alle hängen schon wieder gaffend über mir, als Sabine dann die Färbelösung abspült und meine Zähne trockenbläst, wobei sie mich auch gleich auffordert: „So Kuddel, der Moment der Wahrheit! Nimm den Spiegel hoch und guck es dir schön mit an!“
Noch bevor ich überhaupt in den Spiegel sehen kann, kommen die ersten Kommentare.
Ariane: „Boah! Das sieht ja krass aus! Alles voll Zahnbelag!“
Sascha: „Iih! Alles voll verfärbt! Wie lange hat der sich denn nicht die Zähne geputzt?“
Claudia: „Tja! So wie das aussieht, wohl seit Monaten nicht! So ein Dreckschwein! Ekelhaft!“
Marianne: „Also nein, Kuddel! Wie deine Zähne aussehen! Furchtbar! Schäm dich! Du putzt wohl gar nicht, was?! Du Ferkel! Aber das treiben wir dir aus!“
Dann übernimmt Sabine wieder: „Ganz genau, Frau Strenge! Dafür ist er ja jetzt auch hier! Heute bekommt er seine erste Lektion!“
Sie nickt Marianne zu, bevor sie mich ansieht und streng sagt: „Kuddel, sieh in den Spiegel und guck dir deine Zähne an! Das sind die am schlechtesten gepflegten Zähne, die ich je gesehen habe! Genau genommen sind die gar nicht gepflegt! Voll mit uraltem Zahnbelag! Widerlich! Wann hast du die denn überhaupt mal geputzt? Claudia hat da schon ganz richtig geschätzt! Stimmt doch, Kuddel? Ja, du weißt es! In Grund und Boden solltest du dich schämen! In deiner Familie haben alle vorbildlich gepflegte, gesunde Zähne! Und du? Seit Ewigkeiten nicht geputzt, fetter Zahnbelag, dicker Zahnstein und garantiert auch jede Menge Karies! Du bist eine Schande!“
Während ich die Schimpftirade über mich ergehen lassen muss, kichern Ariane und Sascha schadenfroh.
Dann grinst Sabine und fährt, in der Art einer Oberlehrerin, fort, wobei ich deutlich hören kann, dass es ihr großes Vergnügen bereitet: „Bevor wir weiter machen, werde ich den desolaten Zustand erstmal dokumentieren. Für Kuddels Akte und für Frau Doktor später zur Ansicht.“
Sabine aktiviert die Intraorale Kamera, deren Bild direkt auf einem Monitor, für alle groß zu sehen, übertragen wird.
Sabine fährt mit der Kamera meine Zahnreihen entlang und nimmt ein Video auf. Meine eingefärbten Zähne werden in Großaufnahme detailliert aufgenommen.
Claudia fragt hinterlistig: „Sabine, hattest du nicht gesagt, Frau Doktor kann so gar nicht auf schlechte Zahnpflege?“
Sabine lacht hämisch und antwortet: „Allerdings! Wenn sie das hier sieht, wird sie rasend! Und das wird Kuddel auch schmerzhaft zu spüren bekommen! Dafür wird er richtig leiden!“
Ariane und Sascha lachen bösartig und Marianne kommentiert: „Das wird ihm dann hoffentlich eine Lehre sein!“
Dann ist die Kamerafahrt beendet und Sabine sagt: „Bestimmt Frau Strenge! Ein kleiner Bohrer kann großen Eindruck machen! Das Video hätten wir! Ich werde gleich noch ein paar Standbilder rausziehen. Die können wir dann sehr gut zur Abschreckung benutzen. Claudia und Sascha, wenn ich später noch ein paar Aufnahmen von euren Zähnen machen könnte? Da können wir dann eine tolle Präsentation draus machen: Gute Zähne, schlechte Zähne!“
Natürlich stimmen beide freudig zu.
Dann sagt Sabine: „Als nächstes werden wir den Mundhygienestatus erfassen. Da könnt ihr alle gerne mitmachen. Jeder von euch kann einen Quadranten übernehmen. Ich habe hier ein Formular, auf dem ihr die Ergebnisse eintragen könnt. Ich übertrage die dann später in den Computer. Darauf könnt ihr euch sehen, wie die Zähne nummeriert sind. Die Abstufung geht von null, keine Beläge; das wird bei Kuddel nicht vorkommen; bis fünf, mehr als 2/3 bedeckt. Viel Vergnügen!“
Alle sind sofort begeistert und sehen sich das Formular an. Nur Marianne möchte nicht und meint, ihren Quadranten kann gerne jemand anders übernehmen, sie würde dann notieren.
Natürlich springt Sascha sofort an: „Ich mache das! Und ich fange an!“
Und wie immer, bekommt er seinen Willen. Er nimmt den Spiegel und fängt an, meine Zähne zu inspizieren, kommentiert altklug: „Also Kuddel, das sieht ja ganz übel aus! Deine Zähne sind ja gar nicht gepflegt!“
Er guckt ganz intensiv mit dem Spiegel und diktiert oberlehrerhaft: „18 … 5! … 17 … 5! … 16 … 5! 15 … 5! … 14 … 4! … 13 … 4! 12 … 3! … 11 … 2! Und fast alles sehr alter Zahnbelag! Die Zähne sind gar nicht gepflegt!“
Marianne hat alles fein säuberlich notiert.
Ariane übernimmt, breit grinsend, den Spiegel und macht in gleicher Weise weiter: „Tja, auf der anderen Seite sieht es auch nicht besser aus!“
Auch sie inspiziert gewissenhaft meine Zähne und diktiert, mit klarem Genuss: „28 … 5! … 27 … 5! … 26 … 5! … 25 … 5! 24 … gerade so 4! … 23 … 4! … 22 … 3! … 21 … 2! Sehr schlechte Zahnpflege! Schon lange nicht mehr geputzt! Ekelhaft!“
Marianne notiert wieder alles genau.
Claudia übernimmt den Spiegel für den nächsten Quadranten unten, bemerkt spitz: „Unten wird sicher genauso lange ungeputzt sein, wie oben und die Zähne genauso verdreckt!“
Auch sie inspiziert dann ihren Quadranten: „38 … 5! … 37 …5! … 36 … 5! … Ekelhaft! Alles zugeschmiert mit dickem altem Zahnbelag! … 35 … 4! … 34 … 4! … 33 … 3! … 32 … 2! … 31 … 2! … was für ein stinkendes Drecksmaul!“
Sascha nimmt ihr sofort den Spiegel ab und sagt: „Jetzt ich wieder! Der letzte Quadrant wird wohl genauso eklig! Aber das muss ja genau dokumentiert werden!“
Er dreht meinen Kopf und sieht sich grinsend meine Zähne an, macht ein angeekeltes Gesicht, kommentiert übertrieben entrüstet: „Da ist auch alles zugeschmiert mit altem Zahnbelag! Ekelhaft! Da wird einem ja schlecht! Aber das muss ja festgehalten werden!“
Dann wurschtelt er mit dem Spiegel in meinem Mund und fängt an zu diktieren: „48 … 5! … 47 … 5! … 46 … 5! 45 … 4! … 44 … 4! … 43 … 3! … 42 … 2! … 41 … 2! … Bitte auch notieren, dass die meisten Beläge sehr alt sind! Die Zähne wurden schon lange nicht mehr geputzt!“