Überraschungstermin
Zahnpflegekontrollen 1. Teil
Wir kommen bei der Praxis an und klingeln. Der Türsummer geht und wir gehen rein.
Die Helferin empfängt uns mit einem strahlend weißen, perfekten Grinsen. Von der Zahnärztin noch keine Spur.
Sabine begrüßt uns: „Hallo! Da seid ihr ja, pünktlich wie die Maurer! Und vollzählig, wie ich sehe!“
Wir gehen zum Tresen, wo die Karteikarten schon bereitgelegt sind.
Die Krankenkassenkarten werden eingelesen, wobei Sabine erklärt: „Frau Doktor kommt erst später. Sie muss kurzfristig noch dringend was erledigen Das wird noch etwas dauern. Also werde ich mich erstmal mit euch beschäftigen. Da können wir uns ausführlich um das Thema Zahnpflege und da besonders um unseren Problemfall kümmern.“
Dabei sieht sie mich mit vorwurfsvollem Blick an, bevor sie weiter erklärt: „Ich werde bei allen nacheinander mal schauen, wie es so mit der Zahnpflege aussieht. Das sollte ja eigentlich recht schnell gehen. Und zum Schluss kommt dann der Kuddel dran. Bei ihm werden wir wohl mehr zu tun haben.“
Und da ist dann auch wieder dieser Blick zu mir, bevor sie weiterspricht: „Ich muss noch etwas vorbereiten. Setzt euch noch einen Moment in den Wartebereich.“
Dann geht sie, mit einem hinterlistigen Lächeln in meine Richtung, zu den Behandlungsräumen.
Wir setzen uns alle und warten.
Auch dabei gibt es für mich keine Ruhe. Die Sticheleien gehen weiter.
Sascha kichert und sagt vergnügt: „Die macht jetzt bestimmt schon mal den Bohrer für Kuddel fertig!“
Ariane lacht und legt nach: „Ja genau! Aber zuerst kommt ja die Zahnpflegekontrolle. Wir haben da ja nichts zu befürchten!“
Dann zeigt sie stolz ihre Zähne und redet weiter: „Für Kuddel wird das aber wohl unangenehm werden. Der wird sicher keine sauberen Zähne haben und Schimpfe kriegen.“
Daraufhin schaltet sich auch Claudia ein: „Ja, da wird Sabine ihm garantiert ein paar Reihen erzählen. Die wird ihn uns richtig vorführen. Da kannst du von ausgehen! Das wird richtig unangenehm!“
Und auch Marianne meldet sich noch zu Wort: „Na Kuddel, hast du schon Angst? Da kommt die Wahrheit ans Licht! Die Sabine sieht das genau, dass du deine Zähne nicht putzt. Aber das bringen wir dir schon noch bei!“
Sascha fragt nach: „Macht die denn auch einen Färbetest, wo man den ganzen Zahnbelag genau sehen kann?“
Claudia antwortet: „Ja klar! Und das gucken wir uns alle an! Und dann wird nachgeputzt! Er kriegt das volle Programm!“
In dem Moment taucht auch Sabine wieder auf und sagt fröhlich: „So, es kann losgehen! Wir gehen in Prophylaxe Raum 2! Dann kommt mal alle mit!“
Wir folgen ihr in den Raum, wo schon alles vorbereitet ist.
Es liegen mehrere Sets Instrumente zur Untersuchung bereit. Färbemittel, Utensilien zur Zahnpflege und weitere Instrumente warten auf den Einsatz.
Die Lampe leuchtet bereits und ein Lätzchen hängt auch schon am Stuhl.
Sabine gibt Anweisung: „Als erster kommt Sascha. Bitte auf den Stuhl. Kuddel, du setzt dich da drüben hin, damit du auch gut sehen kannst!“
Dabei zeigt sie auf den Assistenz Hocker und spricht dann weiter: „Die anderen können sich gerne um den Stuhl gruppieren und auch zusehen.“
Sascha klettert freudig auf den Stuhl, während ich mich, wie angewiesen auf den Hocker setze und die anderen stellen sich drum rum.
Der Stuhl fährt in Position, die Lampe wird auf Saschas Mund ausgerichtet, Sabine greift zu Spiegel und Sonde und sagt: „So Sascha, dann zeig mal deine Zähne! Und du Kuddel guckst dir das genau an!“
Sascha präsentiert, nach einem Seitenblick zu mir, ganz stolz seine Zähne.
Claudia wirft mir noch zu „Jetzt siehst du, wie gesunde und saubere Zähne aussehen, Kuddel!“, bevor sie sich runter beugt, um die Zähne ihres Sohnes zu bewundern. Auch Ariane und Marianne sehen interessiert zu.
Dann legt Sabine los: „Ja, das sieht wirklich toll aus, Sascha! Kuddel, schau dir das gut an!“
Saschas Augen leuchten förmlich vor Stolz, als er mich ansieht und Sabine ins Detail geht: „Schön kräftiges Zahnfleisch. Das lässt schon mal auf regelmäßige Zahnpflege schließen. Wunderbar weiße Zähne, makellos und offensichtlich in bestem Zustand. Vorbildlich gepflegt und gesund. Es ist keine Spur von Belag, oder gar Zahnstein zu erkennen.“
Dabei deutet sie mit der Sonde an den Zähnen entlang und Marianne kommentiert: „Toll Sascha, was du für gute Zähne hast! Daran solltest du dir ein Beispiel nehmen, Kuddel! So sollte das aussehen!“
Sabine geht nun mit der Sonde am Zahnfleischrand der Vorderzähne entlang und in die Zahnzwischenräume, sieht sich dann prüfend die Sondenspitze an und stellt zufrieden fest: „Sehr schön! Wie erwartet, keine Beläge! Alles perfekt sauber! Vorbildlich! Dann mach jetzt mal den Mund auf, Sascha. Mal schauen, ob es weiter hinten genauso super aussieht, wovon ich ausgehe.“
Sascha reißt den Mund auf, um stolz sein Gebiss zu präsentieren.
Sabine sieht in seinen Mund und lobt: „Das sieht ja ganz toll aus, Sascha! Schöne weiße Zähne, wie schon vorne! Keine einzige Füllung oder gar Karies zu entdecken! Naturgesunde Zähne! Absolut makellos! Und auch hier vorbildlich gepflegt, wie es scheint! Kuddel, schau dir das gut an!“
Gezwungenermaßen beuge ich mich noch weiter vor und sehe in Saschas Mund.
Sabine macht weiter: So sollte ein Gebiss aussehen! Sascha, du bist ein echtes Vorbild! Aber ich möchte doch nochmal nachsehen, ob auch wirklich alles sauber ist.“
Dann geht sie wieder mit der Sonde an den Zähnen entlang und in die Zahnzwischenräume, kontrolliert die Sondenspitze und stellt zufrieden fest: „Auch hier keine Beläge! Perfekt gepflegt! Siehst du Kuddel? So soll es sein!“
Sabine hält mir die Sonde direkt vor Augen. Ich nicke nur stumm.
Marianne kommentiert: „Ja Kuddel, nimm dir ein Beispiel an Sascha! Bei dir sieht es bestimmt nicht so aus!“
Ich reagiere lieber nicht darauf.
Da sagt Sabine auch schon: „Du bist dann auch fertig, Sascha! Als nächstes ist Ariane dran!“
Während die beiden die Plätze tauschen, meldet sich Marianne wieder zu Wort: „Ganz toll Sascha! Bei Ariane wird es bestimmt genauso sein! Wir putzen ja alle immer gründlich!“
Claudia legt gleich nach: „Da kannst du von ausgehen, Mama! In unserer Familie legen wir Wert auf gepflegte und gesunde Zähne!“
Dann ist Ariane auch schon bereit, Sabine nimmt ein neues Besteck zur Hand und sagt: „Dann zeig du jetzt mal deine Zähne, Ariane!“
Die grinst mich an, sagt „Sehr gerne!“ und präsentiert sofort bereitwillig und stolz ihre Vorderzähne.
Sabine wirft einen ersten Blick und sagt: „Ja, das sieht auch bei dir super aus, Ariane! Kuddel, du guckst wieder gut hin! Hier haben wir das nächste gute Beispiel für dich!“
Dann deute sie wieder mit der Sonde und doziert: „Die Zähne sind nicht ganz so weiß, wie bei Sascha, aber schön hell. Sehen ebenfalls perfekt gepflegt und gesund aus. Das Zahnfleisch ist besonders kräftig! Das kommt vom häufigen putzen. Ariane bürstet besonders fleißig! Sieh dir das gut an, Kuddel! Bei dir wird es wohl kaum so sein!“
Ariane kichert und Claudia bestätigt, mit abschätzigem Blick zu mir: „Ja, Ariane putzt sich ganz oft die Zähne! Mindestens fünf Mal am Tag! Heute schon zwei Mal! Und täglich mehrmals Zahnseide!“
Sabine entgegnet: „Mehr als vorbildlich! Da werde ich wohl keine Beläge finden. Aber ich schaue trotzdem mal.“
Nun folgt auch bei Ariane die Kontrolle mit der Sonde, die mir wieder präsentiert wird. Natürlich ist nichts dran.
Sabine stellt dann auch fest „Alles sauber! Super Ariane! Jetzt den Mund auf!“
Auch Ariane reißt freudig den Mund auf und präsentiert stolz ihr Gebiss.
Sabine sieht sich ihre Zähne an und lobt auch bei ihr: „Ganz tolle Zähne, Ariane! Sehen vorbildlich gepflegt aus und, wie bei Sascha, nicht eine einzige Füllung! 1A! Naturgesund! Kuddel, das nächste Beispiel für dich, wie gute Zähne aussehen! Guck dir das gut an!“
Und wieder bin ich, unter Beobachtung der anderen, gezwungen, mir das Gebiss anzusehen.
Sascha sagt auch noch oberlehrerhaft: „Ja Kuddel, genau hingucken! Damit du lernst, wie Zähne aussehen müssen! Nicht so wie bei dir!“
Dann nimmt Sabine wieder die Sonde zur Hand, sagt „Der guten Ordnung halber sehe ich auch nochmal hier genauer nach, obwohl das Ergebnis eigentlich feststeht.“
Nach erfolgter Kontrolle kriege ich wieder die saubere Sonde präsentiert und Sabine sagt eindringlich: „Hier Kuddel, sieh hin! Blitzeblank! So soll das sein!“
Ich nicke wieder stumm.
Sabine legt die Instrumente weg und sagt: „Ariane, du bist auch fertig. Claudia, jetzt kommst du dran.“