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Aufrufe: 216 Created: Vor 1 Woche Updated: Vor 1 Woche

Die Gelegenheit

Teil 1 Frau Jasper benötigt ein Gesundheitszeugnis

Es klopft und auf mein "Herein" erscheint eine junge Frau von zierlicher Gestalt, lange schwarze Haare, spitze Nase, adrett in Stoffrock und weißer Bluse gekleidet. Eine Jacke trägt sie über dem Arm.

Gerade hatte ich hinter meinem Schreibtisch Platz genommen, den Laptop angeschaltet, die Tasse mit Kaffee aus dem Automaten aus der kleinen Praxisküche an die Lippen angesetzt. Kurz mustere ich meinen frühen Gast. "Sie müssen die neue Küchengehilfin sein, die heute ihren ersten Arbeitstag bei uns hat, nicht wahr?" "Ja, Herr Doktor, das bin ich. Jasper ist mein Name, Monika Jasper."

Ich ahne, was sie möchte. Meine Assistentin hat vor einigen Tagen ein neue Akte für sie angelegt, was wir für alle Mitarbeitenden der Anstalt tun. Ein spezieller, für unsere Einrichtung von mir entwickelter Gesundheitscheck steht an, vor allem für das Küchenpersonal Vorschrift und halbjährliche Routine. Trotzdem stelle ich mich ahnungslos: "Nehmen Sie doch kurz Platz, Frau Jasper. Was kann ich für Sie tun?"

"Ich komme zu Ihnen, weil ich von Ihnen noch Attest benötige… ich glaube es heißt Gesundheitszeugnis…"

Ich falle ihr ins Wort: "Ja richtig, das brauchen Sie, um hier Ihre Arbeit antreten zu können, ohne den Nachweis dürfen Sie hier nicht anfangen. Aber Sie haben meines Wissens doch gar keinen Termin mit mir ausgemacht, und ich habe heute überhaupt gar keine Zeit. Mein Wartezimmer wird gleich voll sein…"

"Das habe ich nicht gewusst", stammelt sie verunsichert, "ich dachte, wenn ich rechtzeitig da bin…"

"Nun, da muss ich Sie enttäuschen, auch hier bei mir macht man wie bei jedem anderen Arzt auch einen Termin aus. Es sei denn, Sie werden angewiesen, zu mir zu kommen…"

"Aber was soll ich denn nun tun?" Sie verzieht ihr hübsches Gesicht und schaut mich nervös an. "Können Sie mir wirklich nicht helfen?"

Zugegeben, ich müsste sie nicht zappeln lassen, aber mir gefällt die Situation, denn sie birgt für heute eine möglicherweise aparte Abwechslung bei der Aussicht, für den Rest des Tages ansonsten nur Pflichtimpfungen vornehmen zu müssen. "Es wäre in der Tat nicht günstig für Sie, wenn Sie gleich an Ihrem ersten Tag schon ausfallen. Gerade Ihr Küchenchef ist da sehr heikel, und ich bin mir nicht sicher, ob er Ihnen mit diesem Einstieg nicht sofort einen Laufpass gibt…"

Mit jedem meiner Worte wird sie etwas kleiner und ihre Gedanken scheinen sich zu verhaken: "Ich konnte doch nicht wissen… nein, das darf nicht sein… ich bin doch extra hierhergezogen für die neue Stelle…"

"Frau Jasper, Sie haben doch eine Aufgabenliste erhalten, was Sie noch zu erledigen haben, oder? Was kann ich für Ihre Versäumnisse?" Ich schaue bewusst auf die Uhr. "Gibt es noch etwas?"

"Nein… ich verstehe… ich verstehe, was Sie sagen. Das ist mein Problem, ich habe nicht nachgedacht." Und sie schiebt den Stuhl zurück und steht langsam auf, dabei wie überlegend, ob ihr nicht im letzten Moment etwas Rettendes einfällt. "Trotzdem, Herr Doktor, ich danke ihnen."

Als sie schon die Klinke der Tür in der Hand hat, rufe ich: "Frau Jasper, gerade eben ist mir etwas eingefallen. Vielleicht ist das eine Lösung, und wir kriegen alles noch hin, bevor ich meine ersten Termine habe. Aber Sie müssen dafür kooperativ und bereit sein, einen etwas ungewöhnlicheren Weg mit mir zu gehen. Sind Sie das?"

Sie dreht sich um, man sieht ihr ihre Erleichterung an. "Ja, Herr Doktor, das bin ich. Wenn es doch nur eine Chance gibt…"

"Ihr Chef hat etwas für Kooperationswillen und Improvisationsvermögen übrig, das weiß ich." Ich schaue sie unverwandt an. Zart ist sie, auf aufregende Art schüchtern und eine verheißungsvolle, weibliche Figur hat sie auch. Ihre hinteren Rundungen zeichneten sich deutlich unter ihrem Rock ab, als sie zur Tür ging. "Also, wir machen das so. Den zeitaufwendigen kompletten Gesundheitscheck verschieben wir auf einen der nächsten Tage, und ich rufe jetzt Ihren Chef an, ob er mit einem vorläufigen Hygienenachweis ausnahmsweise einverstanden ist…"

Halb zwischen Tür und meinem Schreibtisch steht sie, als ich zum Telefonhörer greife und mit dem Leiter der Küche halblaut und von ihr weggewandt ein paar Sätze wechsel. Es fallen Worte wie "Temperatur" und "Antibiose", aber auch "rektal", "Zäpfchen" und „Darmhygiene“. Worte, an ihren zukünftigen Chef gerichtet, die sie beiläufig hören soll und die ihr laut und tönernd im Kopf dröhnen sollen.

"Er ist einverstanden", rufe ich gespielt enthusiastisch, stehe auf und eile zum Nebenzimmer, dem eigentlichen Behandlungsraum. "Kommen Sie! Wir müssen das Notwendige jetzt zügig über die Bühne bringen."

Comments

Bumholelicker Vor 1 Woche
Rotzhodern Vor 1 Woche