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Aufrufe: 221 Created: Vor 2 Wochen Updated: Vor 1 Woche

Der alte Zahnarztstuhl

Die Unterbrechung

Durch die nun offenstehende Tür des Behandlungszimmers drangen Stimmen von der Rezeption. Offenbar ein junger Mann, der mit der Rezeptionistin sprach und witzelte.

Sie musste daran denken, dass man vom Wartebereich gut in Zimmer 2 schauen konnte, wenn die Tür - wie jetzt - offenstand. Dann machte sie sich ihre Situation bewusst: sie hing ausgeliefert im weit nach hinten gekippten Behandlungsstuhl. Ihre Hände an den Armlehnen fixiert, ihr Mund durch den Beißblock weit aufgesperrt. Ob man bei geschlossener Tür gehört hat, wie sie aufgestöhnt hat? Peinlich!

Mara war so fokussiert auf das Treiben an der Rezeption, dass sie nicht mitverfolgt hat, dass die Helferin mit ihrem Kramen fertig war und wieder neben ihr stand. Mara spürte etwas wie einen breiten Ledergurt, der über ihren Oberkörper, etwa auf Höhe des Solarplexus, gespannt wurde.

In plötzlicher Panik schrie sie vor Schreck auf - wollte etwas sagen, aber der Beißblock verhinderte dies

Pssst, ganz ruhig”, zischte die Helferin, “es ist nur für ihre eigene Sicherheit”, sagte sie knapp ohne es näher zu erklären.

Mara konnte nichts anderes tun, als mitzuverfolgen, wie der Gurt in Position und schließlich mit spürbaren Druck festgezogen wurde. Sie konnte weiterhin normal atmen, aber jede Bewegungsmöglichkeit ihres Oberkörpers war ihr genommen.

Während Maras Situation immer auswegloser wurde, hörte sie weiterhin die unbeschwerten Stimmen im Flur. Hatte ihr Aufschrei gerade zusätzliche Aufmerksamkeit auf sie gezogen?

Ein heißer Schwall von Scham durchflutete sie, gepaart mit einem merkwürdigen Kribbeln. Sie versuchte, einen Blick zu erhaschen, aber durch die Liegeposition war ihr Sichtfeld stark eingeschränkt. Zudem blendete sie die Untersuchungslampe, auch wenn sie nur leicht den Kopf hob.

Wer war der Typ? Auch ein Patient? Kannte sie seine Stimme von irgendwoher?

Bei diesen Gedanken wünschte sie sich, dass der Zahnarzt schnell wieder reinkommt und die Türe schließt. Es war ihr ziemlich peinlich, dass jemand sie hier so sehen könnte.

Tatsächlich stand kurze Zeit später der Zahnarzt auch wieder im Raum. Er begutachtete zufrieden den Bauchgurt, während die Helferin an der Kopfstütze hantierte.

Mit spitzen Fingern richtete er Maras Kinn aus: “den Kopf gerade bitte”, erklärte er und Mara blieb keine andere Wahl, als zu gehorchen.

Der schob ihren Kopf noch etwas zurecht, dass er perfekt in der Kuhle der Kopfstütze lag. Dann legte sich ein kühles, weiches Material auf Maras Stirn. Es war ein mit Neopren gepolsterter Gurt, der an der Kopflehne befestigt war. Die Helferin zog in fest, so dass Maras Kopf fest in die Kopflehne gepresst wurde. Jede Kopfbewegung wurde damit wirkungsvoll verhindert.

Hilfesuchend schaute Mara zu der Helferin, dann zum Zahnarzt, der keine Notiz von ihr zu nehmen schien, sondern wieder auf seinem Hocker platz nahm.

Wir wollen doch nicht, dass sie sich selbst verletzen”, erklärte er schließlich knapp, während er die Einheit mit den Bohrern wieder näher an sich heranzog.

Mara war nach heulen zu Mute. Keine Chance zu entkommen, hilflos hier im Stuhl fixiert - jetzt noch mehr ausgeliefert, als ohnehin schon. Zudem stellte sie fest, dass die Tür zum Flur noch offen stand, was den Zahnarzt offenbar nicht weiter zu stören schien.

Dann explodierte wieder der Schmerz in ihrem Kopf, fast unmittelbar, als der Bohrer wieder angelaufen ist….

Comments

Norman Vor 1 Woche 1
zahnfritz Vor 2 Wochen 2