Der alte Zahnarztstuhl
Und wieder mal das alte Spiel
Die Fesseln an den Handgelenken spannten, als Mara der Stuhl sich weit nach hinten neigte und sie unwillkürlich weiter nach hinten rutschte. Erst als sie ihren Oberkörper neu ausrichtete, wurde es etwas besser. Ihr Kopf neigte sich nach hinten, und sie hatte Mühe zu erkennen, was vor ihr passierte.
Der Gummiblock in ihrem Mund verhinderte jede Kieferbewegung, und so fühlte sie sich noch mehr ausgeliefert, wie ohnehin schon. Ihr Herz hämmerte: ‘Was hat er gefunden? Was wird heute gemacht?’, fragte sie sich aufs Äußerste angespannt.
Bei dem Geräusch des Bohrers kniff Mara die Augen fest zusammen, ihre Hände gruben sich in die Armlehnen.
Der kalte, metallische Schmerz traf ihren Backenzahn hinten links. Sie hatte schon vergessen, wie schmerzhaft das Bohren sein kann - in ihrer Erinnerung hatte sie es irgendwie verklärt.
Angespannt verfolgte sie, wie der Bohrer sich weiter vorarbeitete, und die Empfindungen immer heftiger wurden. Klackernd verschwanden die letzten Reste der alten Amalgamfüllung im Plastikrohr des Saugers und der Zahn lag ungeschützt offen.
Ohne weiteren Aufsehens setzte der Zahnarzt seine Arbeit fort. Konzentriert entfernte er weiter Zahnsubstanz und arbeitete sich tiefer in den Zahn vor.
Das Bohren wurde zunehmend unerträglich und Maras Oberkörper bäumte sich auf. Ein Stöhnen entwich ihr und zunehmende Panik durchsetzte sie.
Endlich setzte der Zahnarzt den Bohrer ab und ließ ihn zurück in die Halterung gleiten. Mara atmete durch und ließ ihren Körper zurück in den Stuhl sinken. ‘Bitte nicht noch mehr bohren!’, flehte sie innerlich, als der Zahnarzt den aufgebohrten Zahn untersuchte.
Heiße Panik überkam sie, als sie im Augenwinkel sah, wie die Hand des Zahnarztes wieder einen der Bohrer aus der Halterung zog. Instinktiv drehte sie ihren Kopf zur Seite, als könne sie damit dem Bohrer entgehen.
“Kopf gerade bitte!”, kam die kalte Anweisung des Zahnarztes. Noch vollkommen überwältigt von den Schmerzen gerade, versuchte Mara, den Kopf noch weiter vom Zahnarzt wegzudrehen. Aufgrund der Kopfstütze war es nicht einfach und brachte nicht viel. Ihr Mund war weiterhin weit aufgesperrt, und auch in diesem Winkel hätte er den Zahn behandeln können.
Zu ihrer Erleichterung sah wie, wie der Zahnarzt den Bohrer wieder in die Halterung steckte und aufstand. ‘War sie fertig? Würde ihr eine Pause gestattet? Eine Betäubung vielleicht?’. Hoffentlich würde man ihr den Beißblock aus dem Mund nehmen, damit sie sich artikulieren kann.
“Schwester Klara, weitergehende Fixierung bitte!”, erklang die nüchterne Stimme vom Zahnarzt. Mara wunderte sich, was jetzt kommen würde, als die Helferin den Sauger zurück hängte und ebenfalls aufstand.
Der Zahnarzt verließ das Behandlungszimmer, und Mara atmete nochmals auf. Zumindest ein paar Minuten Schonfrist, freute sie sich.