Leas Untersuchung (Musterung)
Teil 1
Die Tür fiel leise ins Schloss.
„Setzen Sie sich bitte“, sagte der Arzt ruhig, ohne aufzublicken.
„Danke.“ Lea setzte sich, spürte sofort die kühle Luft auf ihrer Haut. Sie trug nur noch ihre schlichte Unterwäsche, so wie es ihr draußen gesagt worden war. Ihre Hände ruhten unsicher auf ihren Oberschenkeln.
Der Arzt sah nun auf. „Lea Hoffmann?“
„Ja.“
„Achtzehn Jahre alt?“
„Genau.“
Er nickte knapp. „Gut. Keine Sorge, wir gehen alles Schritt für Schritt durch.“
Lea nickte, auch wenn sie sich alles andere als entspannt fühlte.
„Zuerst höre ich Herz und Lunge ab“, erklärte er sachlich. „Atmen Sie bitte ruhig weiter.“
Er nahm das Stethoskop und trat näher.
Lea zuckte unwillkürlich zusammen, als das kalte Metall ihre Haut berührte.
„Kalt, ich weiß“, sagte er ruhig.
„Ein bisschen…“
„Tief einatmen.“
Sie tat es.
„Und aus.“
Das Stethoskop wanderte langsam über ihre Brust.
„Noch einmal tief ein.“
Lea konzentrierte sich auf ihren Atem, versuchte, das Klopfen ihres Herzens zu ignorieren, das ihr plötzlich viel zu laut vorkam.
„Sie können ruhig normal atmen“, sagte der Arzt. „Ihr Herz klingt völlig unauffällig.“
Er wechselte die Position, setzte das Stethoskop an ihren Rücken.
„Jetzt bitte nach vorne beugen, Arme locker hängen lassen.“
Lea folgte der Anweisung.
„Tief ein.“
„So?“
„Genau. Und aus. Noch einmal.“
Er hörte einen Moment länger, dann trat er wieder einen Schritt zurück.
„Lunge ebenfalls frei. Sehr gut.“
Lea richtete sich wieder auf und zog automatisch die Schultern ein wenig nach hinten, als würde sie sich kleiner machen wollen.
Der Arzt bemerkte es. „Sie können sich entspannen. Das ist eine ganz normale Untersuchung.“
„Ich weiß… fühlt sich nur komisch an.“
„Das sagen viele beim ersten Mal.“
Er setzte sich wieder und notierte etwas.
„Hatten Sie in letzter Zeit Atemprobleme? Schmerzen in der Brust?“
„Nein.“
„Schwindel?“
„Auch nicht.“
Er nickte zufrieden.
„Dann machen wir noch ein paar Beweglichkeitstests. Danach sind wir fast durch.“
Lea atmete leise aus, als hätte sie bis dahin unbewusst die Luft angehalten.
„Alles in Ordnung soweit?“ fragte er.
Sie zögerte kurz, dann nickte sie. „Ja… es ist weniger schlimm, als ich dachte.“
Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Das höre ich gern.“
Er sah wieder auf sein Tablet. „Bisher sieht alles sehr gut aus, Frau Hoffmann.“
Lea spürte, wie sich die Anspannung langsam löste.
„Dann machen wir weiter“, sagte er ruhig.