Lauras ungeplanter Zahnarzttermin
Lauras Perspektive: Der Blick von außen
Laura erschrickt leicht, als ihr Handy in ihrer Tasche vibriert. Sie hat sich so auf Sophies Behandlung fixiert, dass sie alles um sie herum vergessen hatte.
Neugierig zieht sie das Handy aus der Tasche und sieht den Anruf ihrer gemeinsamen Freundin Katrin auf dem Display.
“Ja, hallo?” nimmt sie das Gespräch mit gedämpfter Stimme an, während im Hintergrund Bohrer und Sauger lautstark ihr Werk verrichten.
“Hey, Laura, ich hatte versucht, Sophie zu erreichen, aber sie meldet sich nicht. Sehen wir uns gleich im Biss & Bliss zum Mittag?”, fragt Katrin krächzend durch das Telefon.
“Ne, wir schaffen es wohl nicht mehr zum Mittag, dauert noch”, antwortet Laura mit gedämpfter Stimme, während sie leise vom dem Besucherstuhl aufsteht, “ich bin hier mit Sophie noch beim Zahnarzt.”
Katrin wirkt überrascht und neugierig: “Ja, du hattest heute ja deinen Termin, aber der müsste doch schon vorbei sein, oder nicht? Das hört sich ja schlimm an im Hintergrund, wird da gebohrt? Das ist doch hoffentlich nicht Sophie?”
“Ja, Sophie”, bestätigt Laura, die leise in Richtung Flur geht, “ein paar Löcher”, setzt sie hinterher.
Katrin prustet durchs Telefon: “Sophie hat Löcher? Mehrere??”, fragt sie ungläubig, und Laura bestätigt “ja, einige… lange Geschichte…” - sie schlüpft durch die Tür auf den Flur. Die Bohrgeräusche werden leiser, vor allem aber kann sie hier in Ruhe reden.
“Unsere perfekte Sophie hat Karies?”, fragt Katrin nochmal ungläubig und amüsiert nach.
“Und das nicht zu knapp”, bestätigt Laura grinsend, “du hörst es ja. Die Ärmste liegt schon eine ganze Weile im Stuhl.”
Dann sprudelt es aus Laura so raus: “Genau, UNSERE Sophie! Die wollte nur ’nen Stempel für ihr Bonusheft – und jetzt liegt sie da und lässt sich fünf Löcher bohren! ….ja, fünf!”, berichtet Laura begeistert nicht ohne Schadenfreude.
“Du hättest das sehen müssen”, setzt sie fort, “Erst so cool, ‚Das ist nur ’ne Kontrolle‘, und plötzlich: Bohrer an! Sie hat richtig gezittert, gewimmert wie ’n Baby… Ja, die mit den ‚perfekten weißen Zähnen‘! Jetzt kriegt sie überall Amalgam rein, die guckt drein wie ein begossener Pudel – und hör mal!“
Laura hält das Handy kurz zur Tür, der Bohrer heult laut auf, gefolgt von Sophies gedämpftem Stöhnen und dem Sauger, der alles absaugt.
„Hörst du das? Das ist sie gerade! Am unteren Kiefer jetzt… Haha, ja, warte, ich erzähl dir alles: Sie hat erst versucht, sich rauszureden – ‚Können wir nicht später?‘ – aber Dr. Braun war wie immer: ‚Nein, das machen wir gleich.‘ Und ich sitz daneben und schau zu! Die hat sich so angestellt, Katrin, richtig Drama-Queen-Modus…”
Laura genießt es, wie Katrin sich amüsiert.
“Nein, ernsthaft, die hat gedacht, sie ist immun, weil sie immer so geprahlt hat mit ihrer Zahnseide und ihren Kontrollen. Und jetzt? Fünf Löcher! Die wird im Café kaum den Mund aufkriegen, ohne dass wir lachen.”
Katrin lacht schadenfroh: “und ich dachte, du hättest einen Termin. Naja, dann treffen wir uns einfach etwas später - wann ist Sophie denn fertig?”
“Halbe Stunde maximal”, wägt Laura ab. Sie hat ihre eigene Tortur für den Moment fast vergessen und freut sich auf ein Treffen mit Katrin.
“Alles klar, ich warte dort dann einfach auf euch”, bestätigt Katrin, “dann musst du mir alles haarklein berichten!”, verlangt sie und legt auf.
Laura legt auf, immer noch kichernd, und schiebt das Handy zurück in die Tasche. Sie atmet tief durch, lehnt den Kopf an die Wand. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten fühlt sie sich nicht wie die Loserin mit den schlechten Zähnen. Sophie, die immer so überlegen war, die immer Witze über ihre Verfärbungen gemacht hat – jetzt liegt sie da und wimmert. Der Spieß umgedreht.
Laura schlüpft zurück ins Behandlungszimmer, die Tür quietscht leise hinter ihr. Der Bohrer heult immer noch – ein vertrautes, nervtötendes Pfeifen, das sie nur zu gut kennt - aber diesmal nicht ihr gilt. Ihre Freundin Sophie liegt da, hilflos im Stuhl, die Beine hochgelagert, das Gesicht verzerrt vor Anstrengung. Der Sauger schmatzt rhythmisch, Dr. Braun bohrt konzentriert an einem unteren Backenzahn, murmelt irgendwas von „3-5c distal“ in seine Notizen. Die Helferin wirft Laura einen kurzen Blick zu, fast wie eine stille Komplizin. Ihre Augen sagen: “bei deiner Freundin wird es noch dauern”
Ohne einen Blick von ihrer Freundin zu lassen, setzt Laura sich wieder auf den Besucherstuhl. Diesmal ganz nah, die Knie am Fußende des Behandlungsstuhls. Sie lehnt sich vor, die Ellbogen auf den Knien, und grinst. Nicht mehr heimlich – nein, jetzt ganz offen. Sophie spürt es sofort. Durch ihre tränenfeuchten Augen wirft sie Laura einen Blick zu, der pure Verzweiflung und Vorwurf ist.
Schön das es weiter geht. Wann war Katr…
mega dass es weiter geht😍
Toll das du wieder da bist hab dich sch…