Dr. Schneider und Frau Kirschner
Die zweite Füllung
Kurz bevor er Pause machte schaute er den Plan für den Nachmittag durch.
"Melanie Kirschner, Flg 17".
"Sieh mal, wer da ist", sagte er zu sich. Der Termin war für eine Stunde geblockt, das hatte seine Sprechstundehilfe richtig eingeschätzt. Das Loch war ja ziemlich groß, auch wenn es erst mit dem Röntgenbild sichtbar wurde.
Nach der Pause ging er direkt in die Behandlungsraum 2. Frau Kirschner saß schon im Stuhl und wieder war ihr Anblick wirklich umwerfend. Thomas gab ihr die Hand. Ihre war ganz kühl und leicht verschwitzt. "Ich hoffe Sie mussten nicht zu lange warten." "Nein, nein alles gut." Sie lächelte verlegen.
Thomas öffente das Röntgenbild auf dem Monitor. Die große kariöse Stelle war gut zu sehen. Er zeigte darauf "Das geht schon in die Tiefe, aber ich denke Sie kommen nochmal um eine Wurzelbehandlung rum". Frau Kirschner wurde noch etwa blasser und sagte nichts.
"Fangen wir an." Er ließ den Stuhl direkt nach hinten fahren und zog sich Handschuhe an. Frau Kirschner versuchte eine bequeme Haltung zu finden und rutsche etwas auf dem Stuhl hin und her. Er ließ ihr keinen Aufschub. Larissa war auf der anderen Seite aufgetaucht und hatte den Sauger schon im Anschlag. Sehr gut. "Bitte weit aufmachen." Sofort steckte Larissa den Sauger in ihren Mund. Mit der Turbine setzte er am 7er an und begann den von außen noch intakten Zahnschmelz aufzubohren.
Nach kurzer Zeit weiteten sich Frau Kirschners Augen etwas. Thomas konnte nun schon deutlich die braun verfärbten Karies sehen. Er wollte die Präparation gerade etwas erweitern, da hob Frau Kirschner die Hand. "Bitte, ich brauche eine Spritze." "Ja, das glaube ich das etwas wehtut, die Karies hat sich schon in Richtung Nerv gearbeitet."
Er nickte Larissa zu, die ihm die vorbereitete Spritze reichte. Gekonnt setzte er die Spritze und injizierte langsam. Er fuhr den Stuhl hoch. "Bitte spülen Sie einmal aus."
Nachdem Frau Kirschner etwas unbeholfen das Wasser ausgespuckt hatte, fuhr er den Stuhl direkt wieder zurück. "Es wird einen kurzen Moment dauern bis zur vollen Wirkung, wir machen schon mal vorsichtig weiter." Thomas nahm einmal die Sonde zur Hand und sondierte den Zahn. "Larissa, bitte den Rosenbohrer."
Mit dem Spiegel zog er die Wange seiner Patientin leicht zur Seite. Kaum hatte er den etwas rumpelnden Bohrer im Zahn angesetzt stöhnte Frau Kirschner leise auf und machte den Mund etwas zu. "Bite weit aufmachen." Der Bohrer fraß sich weiter in den Zahn. Das ging ganz schön tief rein, hoffentlich war der Nerv wirklich noch intakt. "Das rumpelt etwas, ist aber schonend für die gesunde Substanz." Frau Kirschner verzog das Gesicht. Ganz schien die Betäubung noch nicht zu wirken.
Er hing den Bohrer weg und nahm die Sonde. Immer noch etwas weich. "Da ist leider noch etwas."
Schließlich sah es gut aus. Mit mehreren Schichten Kompositfüllung versorgte er das tiefe Loch. "Früher hätte ich Ihnen hierfür Amalgam empfohlen, das ist im Seitenzahnbereich ein gutes Material." Frau Kirschner antwortete nicht, da sie immer noch die Polymerisationslampe im Munde hatte.
"Gerade nochmal Glück gehabt, der Nerv wird sich beruhigen." Er ließ den Stuhl hochfahren. Frau Kirschner fuhr sich mit der Zunge im Mund herum und betastete die Füllung. "Fühlt sich noch zu hoch an?" "Nein, ich glaube nicht." Leicht massierte sich Frau Kirschner die Schläfen.
"Sie sollten regelmäßig Zahnseide nehmen, sonst passiert das an allen Backenzähnen. Nächste Woche machen wir dann die andere Seite."