Jana und der unfreiwillige Zahnarztbesuch
Jana und der unfreiwillige Zahnarztbesuch (Teil 3)
Der Bohrer drang tiefer in den Zahn ein, ein hochfrequentes Sirren, das sich in Janas Schädel festsetzte. Für einen Moment war es nur ein Vibration, ein kitzelndes, unangenehmes Gefühl, das durch ihren Kiefer zitterte. Doch dann, ohne Vorwarnung, schoss ein stechender, glühender Schmerz durch ihren Nerv. Es war kein langsames Ansteigen, sondern ein blitzartiger Impuls, der ihren ganzen Körper durchfuhr, als hätte jemand einen weißen Heißdraht direkt ins Mark ihres Zahns getrieben. Jana’s Körper versteifte sich. Ihre Hände, die bereits zu Fäusten geballt waren, preßten sich so fest zusammen, daß die Knöchel weiß hervortraten. Ein lautes, unkontrolliertes Wimmern entwich ihrer Kehle, gedämpft durch den offenen Mund und das Metall, das ihre Lippen spreizte.
Das Bohren hörte nicht auf. Dr. Wagner blickte nicht auf, ihre Konzentration war auf den winzigen Punkt gerichtet, an dem sich ihr Werkzeug in Janas Zahn bohrte. „Ruhig bleiben“, sagte sie, ihre Stimme klang ruhig, fast schon mechanisch unter dem Sirren des Geräts. „Das sollte eigentlich nicht wehtun. Ich öffne gerade erst den Schmelz.“ Jana spürte, wie eine Träne aus dem Winkel ihres Auges trat und über ihre Schläfe lief, in ihr Haar sickerte. Der Schmerz ließ nicht nach, er pulsierte im Takt des Bohrers, ein scharfer, hämmernder Rhythmus, der ihren Atem raubte.
Die Helferin schob den Absauger ein Stück tiefer in Janas Mund, die kalte Metallspitze rutschte an ihrer Zunge entlang und löste einen Würgereflex aus. Jana keuchte, aber der Laut wurde vom lauten Sog des Geräts verschluckt. Sie fühlte sich wie ein Objekt, ein angeschlossenes System aus Schläuchen und Instrumenten, das von zwei unpersönlichen Figuren in grüner Kleidung und weißem Kittel bearbeitet wurde. Die grelle Lampe über ihr blendete, verwandelte die Gesichter ihrer Peiniger in gesichtslose Schatten.
Dr. Wagner zog den Bohrer kurz zurück. Die plötzliche Stille war fast noch schlimmer als der Lärm. In diesem Moment der Stille hörte Jana das eigene, rasende Pochen in ihren Ohren. „Hmm“, machte Dr. Wagner, ein leises, nachdenkliches Geräusch. Sie beugte sich näher, ihr Gesicht blockierte das Licht für einen Moment und tauchte Janas Welt in ein sanfteres, beängstigendes Zwielicht. Mit einem kleinen, spiegelähnlichen Instrument tastete sie die Höhlung im Zahn ab. Jana spürte den scharfen, kalten Metallrand an ihrem Dentin, und ein neuer Schwellenschmerz durchzuckte sie.
„So wie es aussieht, ist das unter dem Schmelz größer geworden, als ich zuerst auf dem Röntgenbild sehen konnte“, erklärte Dr. Wagner, ihre Stimme war jetzt rein fachlich, ohne jeden Anflug von Mitgefühl. Sie richtete sich wieder auf, und das helle Licht traf Janas Augen wie ein Schlag. „Die Karies hat sich weiter ausgebreitet.“ Sie machte eine Pause, als würde sie die Situation bewerten, während Jana unter ihr lag, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen und der Speichel sich in ihrem Mund sammelte, nur um vom Absauger sofort wieder weggesaugt zu werden.
Jana versuchte, den Kopf zu bewegen, um der Frau in die Augen zu sehen, um ihr zu signalisieren, wie sehr es schmerzte, wie sehr sie Angst hatte. Aber ihr Kopf war in der Stuhllehne gefangen, ihr Nacken überdehnt. Sie war völlig bewegungsunfähig, ein Opfer ihrer eigenen Position. Die Helferin wischte mit einem kleinen Wattestäbchen über die geöffnete Stelle, und die Berührung war so leicht und doch so schmerzhaft, daß Jana wieder zuckte.
„Und da ist noch etwas“, fuhr Dr. Wagner fort, während sie den Spiegel wieder in Janas Mund schob, diesmal in die Richtung des Nachbarzahns. Der kalte Stahl glitt über die gesunde Oberfläche des Zahnes neben der Bohrstelle. „Ich muss den Zwischenraum genauer untersuchen. Es ist möglich, dass sich die Karies durchgefressen hat und auch den nächsten Zahn befallen hat.“ Ihre Worte trafen Jana wie ein Hammerschlag. Nicht nur ein Zahn, sondern vielleicht zwei. Die Vorstellung von noch mehr Bohren, noch mehr von diesem qualvollen, unerträglichen Schmerz, ließ eine kalte Welle der Panik durch sie hindurchlaufen.
Sie schloss die Augen so fest sie konnte, aber das half nicht. Sie konnte das Geräusch der Instrumente auf dem Tablett neben sich hören, das leise Klicken und Klirren von Metall auf Metall. Sie konnte den stechenden Geruch von verbranntem Zahn und Desinfektionsmittel riechen, der ihren Atem erstickte. Jeder Muskel in ihrem Körper war angespannt, ein einziger, krampfartiger Schrei der Stille. Sie wusste, dass sie nicht gehen konnte. Sie war hier gefangen, in diesem sterilen Raum, unter der Kontrolle dieser Frau, deren Professionalität sich jetzt wie eine grausame, unaufhaltsame Kraft anfühlte.
Dr. Wagner nahm den Bohrer wieder in die Hand. Das hochfrequente Sirren füllte den Raum erneut und drang direkt in Janas Bewusstsein ein. „Machen wir weiter“, sagte sie. „Wir müssen das jetzt sauber bekommen, bevor es noch schlimmer wird.“ Ihre Logik war unbestreitbar, aber für Jana klang es wie ein Todesurteil. Der Bohrer näherte sich ihrem Zahn wieder, und diesmal wusste sie, dass der Schmerz kommen würde. Er war unvermeidlich. Sie konnte nur noch liegen, den Mund aufgesperrt, und abwarten, bis das nächste Mal der weiße Schmerz durch ihren Körper schoss.
schön detailliert geschrieben. Geil das…
Schön, wenn der Defekt größer ist als g…
toll, sehr detailliert, weiter so bin g…