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Jana und der unfreiwillige Zahnarztbesuch

Jana und der unfreiwillige Zahnarztbesuch (Teil 2)

Dr. Wagners Hand war eine Mischung aus Stahl und Samt. Sie hielt Janas Wange mit einer festen, aber nicht groben Berührung fest, während die andere Hand die Spritze führte. Janas Augen waren auf das dünne, glänzende Metall der Nadel gerichtet, die wie ein Insekt im Licht der OP-Lampe schimmerte. Sie konnte das leise Zischen des Wassers aus dem kleinen Waschbecken hören, einen Geruch von Chlor und Metall, der ihren Rachen zusammenziehen ließ.

„Jetzt ganz tief durchatmen, Jana“, sagte Dr. Wagner, ihre Stimme ruhig und ohne Emotion. „Es ist nur ein kleiner Pieks. Danach wird es besser.“

Jana versuchte zu gehorchen, aber ihre Lungen fühlten sich eng an. Sie schloss die Augen und spürte, wie die kalte Spitze der Nadel ihr Zahnfleisch berührte. Ein scharfer, brennender Schmerz schoss durch ihren Kiefer, so intensiv, dass sie zusammenzuckte. Ein leises Wimmern entkam ihr, bevor sie es unterdrücken konnte. Die Flüssigkeit fühlte sich kalt an, als sie sich unter ihrem Zahnfleisch ausbreitete, ein dumpfes, schwebendes Gefühl, das schnell von einem pochenden Schmerz überlagert wurde. Dr. Wagner zog die Nadel langsam zurück und legte ein kleines Wattepad auf die Stelle. „Gut gemacht. Drücken Sie mal darauf.“

Jana nickte stumm, ihre Tränen schwebten ihr in den Augen. Sie fühlte sich erniedrigt und ausgeliefert, wie ein kleines Kind, das bestraft wurde.

Dr. Wagner zog ihre Handschuhe aus und warf sie in den Abfalleimer. „Die Betäubung braucht ein paar Minuten, um richtig zu wirken. Ich lege Ihnen kurz eine Mullbinde an und komme dann wieder.“ Sie nahm eine sterile Kompresse und drückte sie fest auf Janas Wange, bevor sie sie mit einer kleinen Pinzette fixierte. „Bleiben Sie ruhig liegen und atmen Sie tief durch.“

Ohne ein weiteres Wort drehte sich Dr. Wagner um und verließ den Raum. Die Tür schloss sich mit einem leisen, endgültigen Klicken, und Jana war allein. Das einzige Geräusch war das leise Summen der Geräte und ihr eigenes, hektisches Atmen. Sie starrte an die weiße Decke, auf der sich das grelle Licht wie ein blasser Mond reflektierte. Ihr Kiefer pochte im Takt ihres Herzens. Die Mullbinde fühlte sich fremd und einengend an. Sie schloss die Augen und versuchte, an einen glücklichen Ort zu denken, aber die Angst war ein kalter Klumpen in ihrem Magen, der sich nicht auflösen wollte. Die Minuten dehnten sich zu einer Ewigkeit. Jedes Geräusch im Flur ließ sie zusammenzucken.

Die Tür öffnete sich ohne Vorwarnung. Dr. Wagner trat ein, gefolgt von einer jungen Frau in einem grünen Kittel, die Jana noch nie gesehen hatte. Die Helferin trug ihr Haar streng zurückgebunden und hatte einen neutralen, fast gelangweilten Gesichtsausdruck.

„So, Jana, wie fühlt sich Ihr Kiefer an? Ist er schon taub?“, fragte Dr. Wagner, während sie zu einem kleinen Wagen rollte, auf dem eine Reihe von glänzenden, metallischen Instrumenten bereitlagen.

Jana schluckte schwer. „Nein“, flüsterte sie. „Es tut immer noch weh.“

Ein winziges Lächeln umspielte Dr. Wagners Lippen, aber es erreichte ihre Augen nicht. „Ach, wirklich? Das ist schade. Aber wir haben heute viel zu tun, da können wir nicht ewig warten.“ Ihre Hand schloss sich um den Griff eines Instruments. Es war die Turbine, ein kleines, handliches Gerät, das wie eine Miniatur-Bohrmaschine aussah. Das metallische Ende glänzte im grellen Licht.

Bevor Jana protestieren oder auch nur nach Luft schnappen konnte, spürte sie, wie sich der Stuhl unter ihr veränderte. Die Rückenlehne fuhr mit einem leisen, surrenden Geräusch weit nach hinten, bis sie fast waagerecht lag. Ihre Beine kippten nach oben, und sie fühlte sich wie auf einem Opfertisch gefesselt. Ihr Kopf war nun völlig nach hinten überstreckt, ihre Kehle bloßgelegt und verletzlich. Das helle Operationslicht über ihr wurde eingeschaltet, und es blendete sie vollständig. Alles, was sie sehen konnte, war eine weiße Flut, die ihre Pupillen zu Nadeln verengte. Sie konnte die Umrisse von Dr. Wagners Kopf und der Helferin nur noch als dunkle Schatten vor dem grellen Weiß erkennen.

„Mund bitte auf, weit wie möglich“, kommandierte Dr. Wagner.

Gleichzeitig spürte Jana eine kalte, metallische Berührung an ihrer Lippe. Die Helferin positionierte einen kleinen Absauger in ihrem Mund, der ein leises, zischendes Geräusch von sich gab und sofort ihren Speichel absaugte. Das Gefühl war seltsam und entwürdigend. Sie war völlig machtlos.

„Gut“, sagte Dr. Wagner, ihre Stimme jetzt direkt über ihr. „Versuchen Sie still zu liegen. Es wird nicht lange dauern.“

Jana spürte den kalten Druck des Bohrers, der sich an ihrem Zahn niederließ. Sie schloss die Augen so fest sie konnte, ihre Fäuste waren zu Klumpen zusammengeballt. Sie hörte das hohe, sirrende Geräusch der Turbine, das sich in ihrem Schädel festsetzte und durch ihre Knochen vibrierte. Der Geruch von brennendem Zahnstein und heißem Metall erfüllte ihre Nase. Es war der Geruch von Angst und Hilflosigkeit. Sie fühlte, wie der Bohrer in ihren Zahn eindrang, ein unangenehmes, schabendes Gefühl, das sich durch die beginnende Taubung bohrte. Sie konnte nicht schreien, nicht weg, konnte nur daliegen und es geschehen lassen, während das grelle Licht sie blendete und der Absauger ihren Mund austrocknete. Sie war gefangen.

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Nett1 Vor 2 Tage