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Aufrufe: 193 Created: Vor 1 Monat Updated: Vor 1 Monat

Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis

Dr. Schmitt

Es beruhigte mich ungemein Dr. Schmitt zu sehen. Sein freundliches Lächeln, als er an der Tür des Behandlungsraumes stehen blieb und mich mit einer Geste bat einzutreten. “Nach Ihnen, Frau Meyer.”

Ich atmete erleichtert aus, als ich erkannte, dass es sich wieder um den Raum mit dem hellblauen Zahnarztstuhl handelte. Hier hatte ich noch keine schlechten Erfahrungen gesammelt. Meine Handtasche legte ich wieder am gewohnten Platz ab, trotzdem zögerte ich kurz, bevor ich mich setzte.

Dr. Schmitt rollte mit seinem Hocker an meine rechte Seite. “Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, Frau Meyer. Ich hatte Ihnen versprochen, dass wir die Behandlungen zusammen angehen. Leider hat mich ein Infekt daran gehindert. Ich hoffe meine Kollegen haben Sie gut behandelt.”

Überrascht sah ich ihn an, mit einer Entschuldigung hatte ich nun nicht gerechnet. Allerdings bei der Erwähnung der vorhergingen Behandlungen bei seinen Kollegen war die Angst sofort wieder da. Ich erinnerte mich an die Schmerzen, die harten Worte und die Hilflosigkeit. So sehr ich es auch wollte, konnte ich die Tränen, die in mir hochstiegen, nicht mehr zurückhalten. Es war mir peinlich, weshalb ich sofort den Blick senkte, mit meiner Hand versuchte ein Schluchzen zu verhindern.

“Ohje, habe ich was Falsches gesagt?” Dr. Schmitt legte mir eine Hand auf die Schulter. “Ist bei den Behandlungen etwas passiert?”

Ich atmete zittrig durch, nahm dankbar das von Leony gereichte Taschentuch entgegen und wischte mir die Tränen ab. Dann erzählte ich ihm holprig von den vorherigen Terminen.

“Das tut mir sehr leid”, sagte er dann. “So Etwas hätte nicht passieren dürfen. Haben Sie auf dem Anmeldeformular nicht angekreuzt, dass Sie Angst vor den Behandlungen haben? Bei uns im System ist dies nicht vermerkt.”

“Doch habe ich, aber der Kugelschreiber hat nicht mehr so gut funktioniert”, erklärte ich noch etwas heiser vom Weinen. “Ich hätte es nochmal sagen sollen, aber ich habe mich nicht getraut.”

“Ich habe es bei unserem Kontrolltermin schon ein wenig gemerkt, aber ich dachte nicht, dass die Angst so schlimm ist, sonst hätte ich es händisch ausgebessert. Leony, könntest du dies schnell abändern?”, wandte Dr. Schmitt sich an die Helferin.

Ich sah zu ihr wie sie an den PC trat und mit der Maus klickte. Ein lila Rand erschien nun auf dem Bildschirm.

“Sehen Sie, in jeder Akte ist vermerkt, ob der Patient Angst hat, dies sieht jeder, der sie öffnet, sofort an der Farbe. Lila bedeutet Angst, ob nun allgemein, vor der Behandlung oder anderen Dingen. Rot ist der Hinweis auf eine Allergie. Aber ich will Sie damit nicht weiter verschrecken, Frau Meyer. Ich möchte versuchen, dass Sie wieder Vertrauen zu uns aufbauen.” Dr. Schmitt strich mir leicht über den Arm, sodass ich ihn wieder ansah. Sein Lächeln war freundlich, warm, beruhigend.

Langsam nickte ich. “Das will ich auch. Immerhin weiß ich, dass noch was zu tun ist und es nur schlimmer wird, wenn ich es länger vor mir herschiebe.”

“Das stimmt, aber ich möchte Sie nicht überfordern. Wenn es für Sie heute zu viel ist, dann machen wir an einem anderen Tag weiter. Die Entscheidung allerdings überlasse ich Ihnen.” Er lächelte mich ermutigend an.

>Er überlasst mir, ob ich heute was machen lassen will oder nicht? Das hat bisher noch niemand gemacht. Die Beiden sind so nett zu mir, haben mich getröstet, als ich geweint habe, und verurteilen mich nicht, dass ich ängstlich bin. Was soll ich nun tun?