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Lauras ungeplanter Zahnarzttermin

Jetzt noch die Füllungen

“1-7, 2-5 und 2-6 kriegen AM”, befiehlt Dr. Braun in ruhiger Stimme und die Helferin im Hintergrund wird geschäftig, während Dr. Braun weiter die aufgebohrten Zähne auf beiden Seiten des Oberkiefers kontrolliert.

Ein Zucken durchfährt Sophie, gefolgt von einem dumpfen, anhaltenden Schmerz. Erst danach realisiert sie, dass Dr. Braun die Zähne mit einem Stoß kaltem Wasser gespült hat, bevor er sie mit Druckluft trocknet.

Das kalte Wasser traf auf den fast freiliegenden Nerv und erzeugte einen nachhaltigen Schmerzimpuls. Zum Glück nur eine Schrecksekunde.

Dann platziert Dr. Braun mehrere Watterollen in Sophies Mund. Ihre Backen werden ungewöhnlich nach außen gedrückt, als die Watterollen zwischen Zahnfleisch und Wange platziert werden.

Sophie kann es nicht erkennen, aber er legt irgendwas um die Zähne und schraubt es mit kräftigen Bewegungen fest. Ein Metallband schließt sich um einen, dann um den nächsten Zahn.

Das waren wohl die merkwürdigen Schraubgewinde, die Sophie vorhin schon bei Laura beobachten konnte.

Mit kräftiger Drehung zieht er die Metallmatrizen fester, und Sophie fängt an sich Sorgen zu machen, ob nicht die Seitenwände brechen können, wenn er weiter so anzieht.

Aber er ist Profi. Alles passt und drei Schraubgewinde ragen aus Sophies Mund. Er trocknet nochmal die aufgebohrten Zähnen mit dem Druckluft, diesmal ist es nur noch ein leichtes Ziehen.

Während er zu seiner Assistentin herüber schaut, hält er Sophies Mund geschickt mit seinen Fingern geöffnet. Offenbar wartet er auf die Füllungsmasse.

Sophie verfolgt das Ganze mit Spannung, aber gezwungenermaßen schweigend. Hatte er eigentlich schon mit ihr das Füllungsmaterial besprochen - wegen Zuzahlung und so?

Während Sophie darüber sinniert, reicht die Helferin ihrem Chef ein größeres, gebogenes Instrument, das er routiniert entgegen nimmt und in einer fließenden Bewegung an den ersten Zahn ansetzt. ‘Hat sich wohl erledigt’, geht es Sophie durch den Kopf. Die selbstsichere Art von Dr. Braun gibt ihr das Gefühl, dass er weiß, was er tut. Sie entspannt sich ein bisschen und lässt sich einfach mal fallen. Es gibt ohnehin nicht viel, was sie tun könnte.

Eine kühle Masse wird mit starkem Druck in den Zahn gepresst. Dr. Braun stochert mit einer Sonde in dem Zahn herum, dann dreht er das Instrument und platziert eine weitere Portion Füllungsmasse in den Zahn. Das Material knirscht leise - ‘ein bisschen, wie Schritte im Neuschnee’, denkt Sophie mit leichter Belustigung. Als sie merkt, dass der schmerzhafte Teil vorbei ist, kann sie etwas entspannen. ‘Komisch’, denkt sie, ‘bei meiner anderen Füllung ist mir das nie so aufgefallen’.

Nach und nach wird immer mehr von der Masse in ihren Zahn gepresst und nachgestopft, bis schließlich die Zähne auf der anderen Seite an der Reihe sind.

Sophie entspannt weiter, und sie ist froh, es überstanden zu haben. Wieder durchläuft sie eine Welle der Dankbarkeit, als sie spürt, wie routiniert und bestimmt Dr. Braun die Füllungen platziert. ‘Das Bohren gerade war ziemlich unangenehm, aber eigentlich bin ich bei ihm doch in guten Händen’, geht es ihr durch den Kopf.

Es dauert nicht lange, da sind alle drei Zähne gut gestopft und mit schnellen Bewegungen diverser Instrumente ausmodelliert. ‘Das ging schnell’, denkt sie, als die Matrizen aus ihrem Mund entfernt werden, ‘bei meiner Zahnärztin hätte das noch Ewigkeiten gedauert’.

Nach letzter Bisskontrolle wirkt Dr. Braun zufrieden mit seiner Arbeit. Unvermittelt fährt die Lehne des Behandlungsstuhls nach oben, während in einem dünnen Strahl Wasser in den Becher am Spuckbecken fließt.

“Spülen, bitte”, ordnet er nüchtern an, was Sophie auch dankbar tut. Sie nimmt einen kräftigen Schluck Wasser und presst es in ihren Mund kräftig von einer Backe zur anderen. Noch benommen starrt sie in die Ferne und sieht dann Laura, die ihr mit einem Ausdruck von Mitgefühl entgegen lächelt.

Sophie beeilt sich, das Wasser in das kleine Keramikbecken auszuspucken. Zäher Speichel, vermischt mit Blut und ein paar kleinen, schwarzen Krümeln landen im Becken, während ein Speichelfaden noch an ihrem Mund hängen bleibt. ‘Peinlich!’, denkt sich Sophie während sie ihren Mund hektisch mit der Handfläche abwischt.

“Du Ärmste”, stellt Laura fest - teils aus Mitleid, teils mit einem sarkastischen Hintergedanken. Sophie lächelt nur verlegen, während sie den nächsten Schluck nimmt. So langsam schwindet die Benommenheit ein bisschen. Beim Ausspucken landet schon deutlich weniger Blut im Becken, und mit dem letzten Rest Wasser versucht sie, den zähen Speichel und alles andere vollständig aus ihrem Mund zu bekommen.

Sie stellt den Becher zurück und hofft insgeheim auf ein Refill, der aber nicht kommt. Während sie wartet, dass sie endlich vom Lätzchen befreit und aus dem Stuhl erlöst wird, betastet sie mit ihrer Zunge die neuen Füllungen. Sie fühlen sich noch fremd an und pochen noch leicht, und das Zahnfleisch tut noch von den Matrizen weh, die teilweise unangenehm eingeschnitten haben.