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Aufrufe: 189 Created: Vor 2 Monate Updated: Vor 2 Monate

Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis

3 Wochen später

Je näher der nächste Behandlungstag rückte, desto nervöser wurde ich. Die alte Angst war wieder da, die Erinnerungen an die vorherigen Termine, so präsent, als wären sie erst gestern passiert. Kurz war ich schon am Überlegen zum Telefon zu greifen und abzusagen. Alles hinzuschmeißen und das Thema Zahnarzt beiseitezuschieben, aber ich wusste, dass ich dem nicht entkommen konnte. Über kurz oder lang würde ich die Defekte, die noch zu behandeln waren, bemerken. Die Löcher würden größer und vor allem tiefer werden, Schmerzen würden mich plagen, wahrscheinlich noch schlimmer, als ich es schon erlebt hatte, und dann müsste ich gehen. Jetzt hatte ich die Möglichkeit mich von einem Zahnarzt behandeln zu lassen, der meine Angst ernst nahm und auf mich einging.

>Aber wer garantiert mir das? Immerhin war ich nur zur Kontrolle bei ihm. Er könnte genauso sein wie Dr. Krüger und Dr. Weber. Oder er ist wieder krank und keiner sagt mir Bescheid, dann lande ich wieder bei einem anderen Arzt, der mich stattdessen behandelt. Diese Gedanken machen mich wahnsinnig. Jetzt sind es noch 3 Stunden bis zum Termin. Ich kann mich kaum auf meine Arbeit konzentrieren.<

Haareraufend lehnte ich mich in meinem Bürostuhl zurück, betrachtete die Akten auf dem Tisch. Die Uhr im Raum tickte zu laut, ein Drucker brummte irgendwo. Ich seufzte und sammelte die Blätter und Ordner zu einem Stapel zusammen. Heute würde ich nichts mehr zustande bringen, weshalb ich beschloss nach Hause zu gehen. Überstunden hatte ich immerhin genug.

Leider kam ich zuhause auch nicht auf andere Gedanken, tigerte von Zimmer zu Zimmer, den Blick immer zur Uhr, deren Zeiger unaufhaltsam voranschritten. Meine Nervosität wuchs, der Puls war bereits erhöht und die Knie zitterten. Autofahren konnte ich so nicht mehr, weshalb ich ausnahmsweise den Bus nutzte, um zu meinem Termin zu fahren. Der Weg zur Praxis war schon eine Herausforderung, ich spürte mein Herz hart in der Brust schlagen.

>Das ist heute viel schwieriger als zuvor. Hoffentlich schaff ich es überhaupt bis in den Behandlungsraum.<

Ich atmete zittrig durch, ehe ich klingelte und beim Summen die Tür aufdrückte. Der Geruch allein sorgte schon dafür, dass mein Puls sich nochmals erhöhte. Am Tresen saß wieder die nett lächelnde Dame, deren Namen ich immer noch nicht wusste.

“Guten Tag, ich habe um 17 Uhr einen Termin bei Dr. Schmitt”, begrüßte ich sie, während ich nervös an einer Schnalle meiner Handtasche herumspielte.

“Frau Meyer, richtig? Sie dürfen sich noch einen Moment ins Wartezimmer setzen, bis Sie aufgerufen werden.”

Ich nickte und öffnete die Milchglastür. Diesmal war der Raum nicht gefüllt, nur zwei weitere Patienten saßen auf den modernen Plastikstühlen. Grüßend nahm ich mir eine beliebige Zeitschrift und setzte mich dazu. Ich blätterte darin herum, sah die Bilder und die Buchstaben darunter, konnte mich aber nicht darauf konzentrieren. Die Geräusche des Bohrers und des Saugers waren zu hören, eine Schweißperle rann mir den Rücken herunter. Doch ich versuchte dem Fluchtreflex zu widerstehen.

>Jetzt nur nicht schwach werden. Ich muss das schaffen und ich werde es auch schaffen. Sollte nicht Dr. Schmitt den Behandlungsraum betreten, sondern ein anderer Arzt, dann kann ich immer noch gehen.<

“Frau Meyer, bitte.”

Erschrocken hob ich den Kopf. Die blonde Helferin Leony stand in der Tür und lächelte mich an. “Sie dürfen mit mir kommen, Frau Meyer.”

Etwas erleichtert stand ich auf, legte die Zeitschrift zurück und folgte ihr.

>Zum Glück nicht diese Ines. Wenn ich sie gesehen hätte, wäre ich sofort zur Tür raus.<

Auf dem Weg zum Behandlungsraum kam uns noch ein braunhaariger Arzt mit blauen Augen entgegen. Beim Anblick seiner Grübchen wäre ich beinahe in Tränen ausgebrochen.

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Nett1 Vor 2 Monate 1
Norman Vor 2 Monate