5 members like this


Aufrufe: 205 Created: Vor 2 Monate Updated: Vor 2 Monate

Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis

Abschluss

“Das muss ich wohl doch betäuben, die Karies geht tiefer als zuvor angenommen”, erklärte Dr. Weber. “Bitte bereiten Sie eine Spritze vor, Ines.”

Ich schloss zitternd den Mund, spürte den abklingenden Schmerz und die Watterolle, die gegen meine Wange drückte. Am liebsten wäre ich aus dem Stuhl aufgestanden und geflüchtet, doch dafür hätte ich gar nicht mehr die Kraft gehabt. Ich schluchzte, meine Brust bebte, noch immer rannen mir Tränen aus den Augen. Blinzelnd öffnete ich sie, meine Sicht war verschwommen.

Dr. Weber nahm die gereichte Spritze entgegen, sah mich an. “Bitte wieder den Mund öffnen, Frau Meyer.”

Ich schniefte, dann kam ich seiner Aufforderung nach. Die aufgeweichte Watterolle wurde entfernt, meine Wange auf die Seite gezogen, dann spürte ich einen kurzen Stich. Dieser war mir lieber, als nochmals dieser Prozedur eben ausgesetzt zu sein. Anschließend noch eines Picks in den Gaumen, es drückte, war aber nicht so schlimm wie der Schmerz zuvor.

Die Spritze wurde auf das Tablett gelegt, der Stuhl bewegte sich nach oben. “Sie dürfen Ausspülen, bis die Betäubung wirkt.” Der Zahnarzt rollte mit seinem Hocker zum Computer.

Der Becher am Porzellanbecken füllte sich plätschernd mit Wasser. Ich zitterte immer noch, weshalb ich zuerst zum Taschentuch griff, um mir die Tränen aus Augen und Gesicht zu wischen.

>Das ist der schlimmste Tag in meinem Leben. Dieser Schmerz und ich konnte nichts dagegen machen. Ich habe wirklich geglaubt, dass Dr. Weber einfühlsamer ist als Dr. Krüger, aber das war ein Trugschluss. Zum Glück wirkt die Betäubung schon ein wenig. <

Ich nahm einen Schluck Wasser, ließ ihn vorsichtig durch meinen Mund gleiten, ehe ich ihn wieder ausspuckte. Ein leichter Schreck, als ich etwas Blut im Becken erkannte. Zögerlich tastete ich mit der Zunge die obere Zahnreihe ab. Vom letzten Zahn fehlte gefühlt die vordere Hälfte, dünne Wände rechts und links. Beinahe hätte ich wieder zum Weinen angefangen, aber ich nahm stattdessen einen tiefen, zittrigen Atemzug, um mich zu beruhigen.

>Ruhig, der Zahn ist immerhin noch da und der Schmerz dank Betäubung weg. Den Rest bekomme ich auch noch hin.<

Ich lehnte mich wieder zurück, strich mir mit dem Handrücken über die Augen. Meine Atmung beruhigte sich langsam, das Zittern wurde weniger.

“So, die Betäubung sollte nun wirken, dann können wir ja weitermachen.” Erklang die Stimme des Arztes.

Er rollte zurück an meine rechte Seite, betätigte den Schalter und der Behandlungsstuhl bewegte sich wieder nach hinten. Obwohl ich wusste, dass es diesmal nicht mehr wehtun würde, beschleunigte sich mein Puls. Ich schloss die Augen, legte meine noch leicht zitternden Hände in den Schoß.

Als der Stuhl seine finale Position erreichte, wurde ich aufgefordert den Mund zu öffnen, was ich auch tat. Der Sauger röchelte los, die Turbine heulte auf. Kühles Wasser spritzte, doch ich spürte nichts. Kein Ziehen, kein Schmerz. Nur ein taubes, pelziges Gefühl, das sich bis zur Oberlippe zog.

Ich beruhigte mich weiter, während Dr. Weber an meinem Backenzahn arbeitete, den Zahn aushöhlte, bis nur noch hauchdünne Seitenwände übrigblieben. Er wechselte den Bohrer. Ich erschrak leicht, als ich erkannte, dass es wieder der war, der so stark vibrierte. Doch diesmal merkte ich nichts, nur das dumpfe sägende Geräusch, welches mir eine Gänsehaut bescherte. Dann war es vorbei, der Bohrer wurde zurückgehängt, der Sauger entfernt. Der Zahn gespült, getrocknet und sondiert.

“Das sieht gut aus, jetzt nur noch die Füllungen an den hinteren beiden Backenzähnen, dann ist es geschafft”, erzählte Dr. Weber. Die Sonde klimperte metallisch, als sie aufs Tablett zurückgelegt wurde.

>Gott sei Dank. Noch länger hätte ich es wirklich nicht mehr ausgehalten.<

Kleine Kunststoffmatritzen wurden um die Zähne gespannt, das Füllmaterial schichtweise eingebracht und mit einer UV-Lampe ausgehärtet. Anschließend nur noch die Anpassung mittels Bisstest, dann hatte ich es überstanden.

“Bitte die nächsten 2 Stunden nichts essen. Nach der Betäubung könnte der Zahn noch ein wenig zu spüren sein. Wenn Sie wollen, nehmen Sie ruhig eine Schmerztablette ein”, meinte Dr. Weber, während ich vorsichtig ausspülte. Die Gummihandschuhe gaben ein schnappendes Geräusch von sich, als er sie auszog und in den Mülleimer warf. “Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag, Frau Meyer.” Mit diesen Worten verließ der Zahnarzt den Raum.

Die Helferin befreite mich vom Papierlätzchen, dass sich von den vielen Wasserspritzern schon wellte. “Ich habe gesehen, dass bei Ihnen noch 2 Termin anstehen, bitte vereinbaren sie gleich am Tresen einen neuen, Frau Meyer.”

Ich nickte verstehend, wischte mir nochmals über den Mund, ehe ich mit noch zittrigen Beinen vom Stuhl aufstand. Kurz blieb ich stehen, um meinen Kreislauf zu Prüfen.

>Mist, noch 2 Behandlungen, die ich über mich ergehen lassen muss. Aber es hilft ja nichts, ich kann es nicht so belassen, sonst wirds nur schlimmer.<

Leise seufzend nahm ich mir meine Handtasche und verabschiedete mich von der Schwarzhaarigen, die bereits die Instrumente aufräumte. Ich trat auf den Gang, ging in Richtung Empfangstresen, der diesmal besetzt war.

Mit mulmigem Gefühl trat ich heran. “Ich bräuchte bitte einen neuen Termin, Meyer Alina mein Name.”

Die Dame sah in den PC, klickte mit der Maus. “Wieder bei Dr. Weber?”

>Jetzt habe ich die Chance. Bloß nicht erneut bei den beiden Zahnärzten.<

“Mir wäre es lieber von Dr. Schmitt behandelt zu werden. Er hat bei mir auch die Kontrolle durchgeführt.”

“Ah stimmt, Sie wären eigentlich auch bei Dr. Schmitt eingeteilt gewesen. Jedoch hat er sich für diese Woche krankgemeldet. Wir mussten viele Termine verschieben, was durch das Fehlen von zwei weiteren Helferinnen nicht leicht war, und dringende Behandlungen wurden dann von Dr. Krüger und Dr. Weber übernommen. Lassen Sie mich kurz nachsehen, wann der nächste freie Termin ist.”

>So ist das also. Dr. Schmitt ist gar nicht da. Warum hat mir das keiner gesagt? Jetzt ist es eh schon egal. Der Albtraum ist vorbei, einfach nicht mehr daran denken.<

Die Dame vom Empfang klickte sich durch den Kalender. “Wie wäre es am Donnerstag in 3 Wochen? 17 Uhr oder 17:30 Uhr?”

“17 Uhr passt”, antworte ich ihr. “Aber ich glaube, dass ich noch einen weiteren Termin benötige.”

“Hmm, die Woche darauf am Dienstag, auch 17 Uhr?”

Ich nickte schnell, woraufhin mich die Helferin anlächelte und die beiden Termine auf einen Zettel notierte.

Nun wollte ich nur noch schnell aus dieser Praxis heraus, nach Hause und mich hinlegen.

Comments

Norman Vor 2 Monate 1
zahnfritz Vor 2 Monate 2
Norman Vor 2 Monate 1
Nett1 Vor 2 Monate 1