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Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis

Es geht weiter

Nach Anpassen der Füllung, wurde der Behandlungsstuhl wieder in eine aufrechte Position gebracht, damit ich kurz ausspülen konnte.

>Puh, der Erste ist schon mal geschafft. Aber zwei Zähne müssen gleich noch behandelt werden. Wenn das genauso läuft, wie eben, dann kann ich den Tag noch genießen.<

Ich wischte mir den Mund trocken und lehnte mich zurück. Der Stuhl bewegte sich erneut nach hinten und obwohl ich wusste, was kommen würde, beschleunigte sich mein Herzschlag. Ich schloss die Augen und versuchte eine bequeme Position zu finden.

“Das war doch gar nicht so schlimm, Frau Meyer. Den Rest schaffen Sie auch noch”, ermunterte mich Dr. Weber. “Bitte den Mund wieder öffnen.”

Ich folgte seiner Anweisung, spürte, wie mir erneut eine Watterolle zwischen Zähne und Wange gesteckt wurde. Die Turbine heulte auf, was mich kurz erschreckte.

“Jetzt den 2-6er, das müsste schnell gehen, danach kommt der hinterste Backenzahn dran”, erklärte Dr. Weber, ehe er die Bohrspitze ansetzte. Ich spürte sofort wieder den Druck und das leichte Vibrieren im Oberkiefer. Zittrig atmete ich durch die Nase, versuchte mich zu beruhigen. Was aber nicht viel half, denn ein leichtes Ziehen machte sich bemerkbar, doch nicht am Zahn, der gerade aufgebohrt wurde, sondern dahinter.

Die Zahnarzthelferin bemerkte mein Zittern und ergriff sogleich mein Kinn, damit ich nicht wieder den Mund schließen konnte. Eine Bemerkung ihrerseits blieb aber aus.

Dr. Weber arbeitete konzentriert weiter, bohrte den Zahn distal auf, bis die Kariesstelle im Zahnzwischenraum zu erkennen war. Dann stoppte er die Turbine, wechselte den Bohrkopf. Ich konnte nur lauschen, was er gerade machte, da ich die Augen geschlossen hielt. Das Ziehen war verschwunden, was mich aufatmen ließ, aber nur kurz.

“Frau Meyer, ich muss an diesem Zahn nur noch die Karies entfernen, leider liegt die Läsion nahe des Zahnfleischrandes, was ein wenig unangenehm werden könnte. Aber es wird nicht lange dauern”, sagte der Zahnarzt und näherte sich wieder.

Meine schwitzigen Finger krallten sich in meine Jeans, als die Turbine erneut aufheulte. Feiner Wassernebel war zu spüren, dann wieder das Ziehen, als weiter am Zahn gearbeitet wurde. Dr. Weber setzte immer mal kurz ab, arbeitete vorsichtig, um so wenig Zahnsubstanz wie möglich abzutragen und das empfindliche Zahnfleisch nicht zu verletzen. Ich versuchte ruhig durch die Nase zu atmen, nicht versehentlich zu zucken, auch wenn ich wusste, dass das Kopfposter und die Hand an meinem Kinn eine Bewegung meinerseits unmöglich machte.

Die Turbine stoppt, wurde zurückgehängt. Dann folgte ein kurzes Spülen und Trocknen. Ich zuckte, als der kräftige Luftstoß den hinteren Zahn traf.

>Au, das war grad echt fies. Normalerweise bin ich da nicht so empfindlich. Vielleicht kommt das vom Zahnfleisch? Hat er nicht vorhin etwas davon gesagt?<

Die Sonde kratzte kurz prüfend. “Das wäre auch wieder geschafft. Jetzt nur noch Einer, Frau Meyer.” Der Zahnarzt entfernte das Instrument, ehe er wieder zur Behandlungseinheit griff. Er wechselte erneut den Bohrkopf, das leise Klicken, hallte im Raum wider. Die Spitze wurde am hintersten Backenzahn okklusal angesetzt. Ich spürte sofort wieder ein Ziehen, unangenehm aber gerade noch aushaltbar. Dr. Weber arbeitete sich tiefer in den Zahn vor, das Ziehen wurde stärker, ich kniff die Augen zusammen, meine Atmung wurde hektischer.

Mehr und mehr Zahnsubstanz verschwand mit dem Kühlwasser im Sauger. Ein kalter Schmerz zog plötzlich bis in den Nerv, ein Stöhnen entwich mir. “Ahh.”

Der Griff um mein Kinn verstärkte sich, während Dr. Weber ungerührt weiterbohrte. Ich verkrampfte mich weiter, mein Kiefer zitterte. Erneut traf er diese eine Stelle, es war wie ein Stromschlag, der bis in meine Schläfe zog. Ich schrie wieder auf, Tränen traten mir in die Augen.

>Aua. Er soll aufhören, das tut einfach nur unheimlich weh.<

Ich wollte den Kopf wehdrehen, doch ich konnte nicht. Meine Fersen gruben sich in die Beinauflage, die Zehen leicht gekrümmt. Das Bohren hörte nicht auf, das schrille Pfeifen vermischte sich mit meinem Stöhnen und Wimmern, von dem weder der Zahnarzt noch die Helferin Notiz nahmen. Ich war verzweifelt, schluchzte, während Tränen über meine Schläfen rannen. Der Schmerz ebbte mehrmals ab, ehe er wieder, gefühlt stärker, aufflammte. Ein langgezogener Schrei erfüllte den Raum, dann hörte es auf. Die Turbine wurde zurückgehängt, der Sauger entfernte restlichen Speichel, bevor die Helferin ihn in die Station steckte.

Comments

Norman Vor 2 Monate 2
Nett1 Vor 2 Monate 1