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Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis

Der erste Termin

Die Tage bis zu meinem ersten Behandlungstermin vergingen einerseits schnell, andererseits konnte ich an nichts anderes denken. Am Wochenende erwischte ich mich sogar, wie ich versucht war, die Fachwörter, die der Zahnarzt benutzt hatte, in der Suchmaschine zu hinterfragen. Doch die Hälfte hatte ich bereits wieder vergessen und ich traute mich auch nicht wirklich. Nur nach dem Wort Quadrant suchte ich, obwohl ich mir schon denken konnte, dass es irgendwas mit vier bedeuten musste. Es würden also bis zu vier Behandlungen auf mich zukommen. Ich wurde wieder ziemlich nervös, aber ich wollte Dr. Schmitt eine Chance geben mich von meiner Angst etwas zu befreien. Trotzdem konnte ich die Nacht kaum schlafen und so stand ich am Montag um kurz vor 11 Uhr noch leicht müde vor der Tür der Praxis und betätigte die Klingel.

>Ich hätte mir gestern vorm Schlafengehen nicht so viele Gedanken machen sollen, was heute alles passiert, welche Zähne wohl gemacht werden, oben oder unten. Tja und jetzt denke ich schon wieder daran.<

Ich schüttelte mit dem Kopf, um die Gedanken zu vertreiben und klingelte erneut, da mir bisher nicht geöffnet wurde. Endlich ertönte das Summen, sodass ich eintreten konnte.

Die Dame am Empfang wirkte gehetzt. “Tut mir leid, dass Sie warten mussten. Wir sind krankheitsbedingt etwas unterbesetzt. Sie haben um 11 Uhr einen Termin, richtig?”

“Ja, mein Name ist Alina Meyer”, antwortete ich ihr und nahm einen tiefen Atemzug, um mich etwas zu beruhigen, was ich aber sofort bereute. Der typische Geruch nach Desinfektionsmitteln stieg mir in die Nase und mein Puls beschleunigte sich.

Die Helferin sah in ihren Computer. “Es kann sein, dass Sie etwas warten müssen, Sie können sich gerne ins Wartezimmer setzen.”

Ich nickte und begab mich in den gut gefüllten Raum, setzte mich auf einen freien Stuhl und schnappte mir eine Zeitschrift, die ich wahrscheinlich wieder nicht richtig lesen würde.

>Das Wartezimmer ist genauso voll, wie beim letzten Mal und ich bin heute pünktlich da. Das heißt wohl, dass ich mich nun ablenken muss, um nicht vor Aufregung verrückt zu werden.<

Zum Glück fand ich einen Artikel, der mich interessierte, aber mein Blick wanderte immer mal wieder zur Uhr an meinem Handgelenk. Die Minuten verstrichen, das Wartezimmer leerte sich nur langsam. Nervös wippte ich mit dem Fuß, strich mir die feuchten Hände an der Hose ab und blickte immer auf, wenn sich die Tür des Wartezimmers öffnete. Doch noch war mein Name nicht gefallen. Noch nicht.

“Frau Meyer bitte.” Diesmal war es eine etwas ältere Helferin mit schwarzen kurzen Haaren. Sie blickte etwas ernst drein und bedeutet mir mit einem Kopfnicken ihr zu folgen. Mit schnell pochenden Herzen ging ich hinter ihr her, wieder vorbei an geschlossenen Behandlungsräumen, hinter welchem der Turbinenbohrer heulte. Ich atmete zittrig aus, als wir unser Ziel erreichten. Der Behandlungsstuhl war diesmal grau. Eine trostlose Farbe, die mich an Gewitterwolken erinnerte.

“Sie dürfen sich bitte schon setzen.” Die Stimme der Helferin klang immer noch nüchtern, fast schon kalt. Nicht so nett wie Leony, bei meinem Kontrolltermin.

Ich legte meine Handtasche auf den Besucherstuhl, mein Blick glitt kurz nach draußen, wo es anfing in Strömen zu regnen.

>Hoffentlich hört es nachher wieder auf, ich habe keinen Regenschirm mitgenommen und nur einen Parkplatz weiter weg gefunden.<

Langsam drehte ich mich um, die Helferin stand schon mit dem Papierlätzchen bereit. Ich schluckte hart und setzte mich in den Behandlungsstuhl, die Lehne war schon etwas nach hinten geneigt, sodass ich automatisch tiefer hineinrutschte. Meine Schuhe quietschten über die Beinablage. Das Lätzchen wurde mir umgebunden, dann setzte sich auch schon der Stuhl in Bewegung. Er fuhr nach oben, während die Rückenlehne immer weiter nach hinten kippte. Meine Füße waren nun höher und sofort fühlte ich das flaue Gefühl im Magen. Dieses sich komplett ausgeliefert zu fühlen, gefiel mir überhaupt nicht.

“Ich bereit schon alles für den Arzt vor, damit er gleich mit der Behandlung beginnen kann”, erklärte mir die Helferin im selben Tonfall wie zuvor. “Kopf etwas anheben.”

Es war mühsam, aber ich schaffte es ihn zu heben, damit sie die Kopfstütze einstellen konnte. Als ich ihn wieder senkte, fühlte ich sofort, wie mein Kopf nun ein wenig überstreckt war. Keine angenehme Position. Am liebsten wäre ich aufgestanden und geflohen, aber ich hatte mir fest vorgenommen, es hinter mich zu bringen. Es nicht wieder jahrelang aufzuschieben. Das Einzige, was ich nun sehen konnte, war die weiß gestrichene Decke und die Lampe, welche noch nicht auf meinen Mund ausgerichtet war.

>Ich schaff das. Dr. Schmitt wird bestimmt merken, wie nervös ich bin und ganz behutsam bei der Behandlung sein.<

Ich konzentrierte mich auf meine Atmung, um mich zu beruhigen, gleichzeitig schloss ich die Augen und dachte an etwas Schönes. An den Freizeitparkbesuch mit meiner Freundin, den wir am kommenden Wochenende geplant hatten. So bekam ich nur am Rande mit, wie die Zahnarzthelferin immer mehr Instrumente auf das Tablett vor mir ablegte.

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Henk de G Vor 3 Tage
zahnfritz Vor 4 Tage
Norman Vor 4 Tage 3
Norman Vor 4 Tage 3
Allteeth Vor 4 Tage 3
Nett1 Vor 4 Tage 4