Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis
Befundaufnahme
“Bitte den Mund weit aufmachen.” Dr. Schmitt näherte sich mit Spiegel und Sonde. Ich atmete nochmals tief durch, ehe ich seiner Aufforderung nachkam. Zögerlich teilten sich meine Lippen, während ich die Augen zukniff.
Mit dem Spiegel zog er meine rechte Wange zur Seite, das Instrument fühlte sich kalt an meinem Mundwinkel an.
“Alle 8er fehlen”, fing er die Untersuchung an. Konzentriert, routiniert. “1-7 o.B. 1-6 okklusal mit Kunststoff gefüllt, leichte Verfärbung.”
Ich konnte spüren, wie er mit der Sonde in einem der oberen Backenzähne herumstocherte. Es kratze, drückte. Die schwitzigen Hände waren sofort wieder da.
“1-5c distal”, fuhr er fort. Die Sonde wanderte weiter nach vorne. “1-4 o.B.”
>Er hat echt eine angenehme Stimme, aber er diktiert viel zu viel. Teilweise versteh ich diese Medizinsprache nicht, wahrscheinlich um die Patienten nicht gleich zu erschrecken. Man fühlt sich eh schon total ausgeliefert, mit offenem Mund und in einer halb liegenden Position. Hoffentlich ist es bald vorbei.<
Dr. Schmitt rückte etwas näher, mittlerweile war er an der linken Seite angekommen. “2-3 ebenfalls o.B.”. Er beschäftigte sich mit dem nächsten Backenzahn. Ich atmete tief durch, wobei mir der herbe Duft eines Parfüms in die Nase stieg.
>Und gut riechen tut er auch noch. Man was denkt ich hier eigentlich? Naja, wenigstens eine gute Ablenkung.<
Ein bedrohliches Kratzen. “2-4 Kunststofffüllung mit Randspalt. 2-5 o.B. 2-6 auch o.B.”
Seine Aufmerksamkeit lag nun auf dem hintersten oberen Backenzahn. Ich spürte den Druck der spitzen Sonde, es zog leicht und ich zuckte.
“2-7c okklusal, mesial.” Kommentierte der Zahnarzt und wanderte mit dem Spiegel nach unten. “3-7c okklusal. 3-6 o.B. “ Mit der Sonde prüfte er Zahn um Zahn. “3-5 lingual-okklusal mit Kunststoff gefüllt. 3-4 o.B.”
>Wenn ich nur wüsste, was das alles bedeutet? Was Gutes oder was Schlechtes? Das werde ich wohl erst am Schluss erfahren. Wäre ich doch nur früher gegangen.<
An den Schneidezähnen gab es scheinbar nichts zu beanstanden, hatte ich das Gefühl. Dort kam ich auch ganz gut mit der Zahnseide hin. Dr. Schmitt widmete sich schon den vorderen Backenzähnen auf der rechten Seite. “4-4 o.B. 4-5 ebenfalls o.B.”
Ich spürte mein Herz schneller schlagen, als die Spitze der Sonde zwischen meine hinteren Backenzähne gedrückt wurde.
“4-6c distal, 4-7c mesial”, beendete der Zahnarzt seine Sichtung und nahm die Instrumente aus meinem Mund. Langsam öffnete ich meine Augen, das Licht blendete ein wenig und ich blinzelte heftig. Der Stuhl wurde wieder in eine aufrechte Position gefahren. Ich schluckte ein paar Mal, da sich mein Mund ziemlich trocken anfühlte. Gleichzeitig löste ich meine Finger, die sich während der Untersuchung immer fester im Saum meines Oberteils gekrallt hatten.
“Frau Meyer, leider muss bei Ihnen einiges gemacht werden”, sagte Dr. Schmitt ernst, nachdem er die Instrumente zurück auf das Tablett abgelegt hatte.
>Jetzt kommts. Die Belehrungen. Die Erniedrigungen. Dass ich nicht genug putze und schon länger nicht mehr bei der Kontrolle war. Ich musste eh schon all meinen Mut zusammennehmen, um mich überhaupt wieder zu überwinden. Gibt es überhaupt Menschen, die dafür Verständnis zeigen?<
Beschämt senkte ich den Kopf. Ich wollte mich erklären, brachte aber keine Worte über meine Lippen, es war mir einfach peinlich.
Der Zahnarzt bemerkte offenbar meinen inneren Konflikt, legt seine Hand auf meine rechte Schulter. “Keine Sorge, das bekommen wir zusammen hin.”
Überrascht blickte ich auf und sah ihm in die Augen. Sie waren blau. Er hatte den Mundschutz heruntergezogen und lächelte mich freundlich an, kleine Grübchen erschienen in seinen Wangen.
“Ich würde vorschlagen wir vereinbaren für jeden Quadranten einen Behandlungstermin. Sie müssten zwar öfter bei uns vorbeikommen, aber dann sind die Sitzungen nicht allzu lange. Außerdem wäre noch eine Röntgenaufnahme ratsam, um nicht sichtbare Defekte aufzudecken.”
Ich nickte. “Okay, einverstanden.”
Er wandte sich an seine Assistentin. “Leony, könntest du Frau Meyer noch zum Röntgen begleiten?”
“Selbstverständlich,” sagte sie, während sie mich vom Papierlätzchen befreite. Anschließend brachte sie mir noch meine Handtasche zurück.
“Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag, Frau Meyer.” Dr. Schmitt verabschiedete sich mit einem netten Lächeln und verließ den Raum. Ich stand vom Stuhl auf, meine Beine zitterten noch ein wenig, aber es wurde langsam besser. Die Anspannung fiel von mir ab.
>Dr. Schmitt ist echt verständnisvoll. Ich denke, bei Ihm kann ich Vertrauen fassen und die Behandlungen hinter mich bringen.<
Ich folgte der Zahnarzthelferin noch zum Röntgen, was zum Glück nicht schlimm war und trat dann an den Empfangstresen, um einen weiteren Termin zu vereinbaren.
“Wie sieht es nächste Woche bei Ihnen aus?”, fragte mich die nette Dame und sah mich erwartungsvoll an.
“Da habe ich Urlaub, also wäre es zeitlich bei mir kein Problem.”
“Dann gleich am Montag um 11 Uhr?”
“Ja, das passt”, antwortete ich ihr.
Sie riss einen Zettel von einem Block und notierte den Termin, als Erinnerung für mich. Bevor sie ihn mir allerdings gab, sah sie nochmals in meine Kartei. “Wie ich sehe, werden es bei Ihnen mehrere Termine. Wir könnten also gleich einen weiteren vereinbaren, wenn es bei Ihnen nächste Woche passt?”
Ich schluckte, die Nervosität war wieder da. “Ja, okay.”
Die Helferin blickte wieder auf den Bildschirm, scrollte mit der Maus. “Am Mittwoch gleich um 8 Uhr?”
>So früh? Dann kann ich nicht einmal ausschlafen und dass, obwohl ich Urlaub habe.<
Trotzdem nickte ich. Wenigstens hatte ich anschießend den restlichen Tag meine Ruhe.
Mit 2 Behandlungsterminen auf dem Zettel verließ ich schließlich die Praxis.
>So habe ich meinen Urlaub nicht geplant.
Da gibt es einiges zum Bohren. Super!
Schön das es weitergeht. Ingesamt hat s…
Acu gleich 6 Stellen zum Bohren, auf di…
so einen Urlaub kann man sich nur wünsc…