Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis
Das Warten
Nachdem ich den Bogen, bei der Empfangsdame abgegeben hatte, musste ich im Wartezimmer ausharren, bis ich aufgerufen wurde. Ich blätterte in den Illustrierten, konnte mich aber nicht auf den Inhalt konzentrieren. Das Wartezimmer leerte sich allmählich und meine Nervosität wuchs.
>Oh man, bald bin ich dran. Hoffentlich ist der Arzt nett und rücksichtsvoll. Zum Glück habe ich noch keine Schmerzen, aber bis dahin warten, dass wollte ich nun auch nicht. Hoffentlich muss anschließend nicht so viel gemacht werden. Allein beim Geräusch von Bohrer und Sauger bekomme ich schwitzige Hände.<
Unauffällig wischte ich immer wieder meine Finger an meiner Jeans ab, was leider nicht viel half. Auch nicht, dass sich immer wieder die Tür zum Wartezimmer öffnete und die Geräusche aus den Behandlungsräumen dadurch lauter zu hören waren.
“Frau Meyer bitte.”
Erschrocken hob ich meinen Kopf, legte die Zeitung auf den Stapel zurück und ergriff meine Handtasche.
“Sie dürfen mit mir kommen”, wurde ich von einer blonden Helferin aufgefordert.
>Nun gibt es kein Zurück mehr.<
Ich folgte ihr durch den Gang, an geschlossenen Türen vorbei, hinter welchen Instrumente klapperten und Patienten behandelt wurden. Schon allein bei der Vorstellung gleich selbst auf dem Stuhl zu sitzen, zog ein kalter Schauer über meinen Rücken, doch ich atmete entschlossen durch.
>Ich schaff das. Ich bin nun erwachsen und kein Kind mehr, außerdem haben sich die Zeiten geändert. Wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, dann sag ich das auch.<
Mein Mut sank etwas, als ich nun den Raum betrat und den Behandlungsstuhl vor mir erblickte. Ein helles Blau, eigentlich genau meine Lieblingsfarbe, aber nun nicht so ansprechend.
“Bitte setzen Sie sich, Frau Meyer. Der Arzt wird gleich da sein.”
Ich nickte und folgte ihrer Aufforderung. Das Leder war kalt und noch leicht feucht vom Desinfektionsmittel. Auf dem Tablett vor mir lag ein kleiner Spiegel, welchen ich die letzten Tage bereits oft in der Werbung sehen konnte. Zögerlich lehnte ich mich zurück, meine Tasche immer noch in der Hand haltend. Die Helferin lächelte mich aufmunternd an, während sie mir das Papierlätzchen umband.
"Die Handtasche können Sie mir geben, ich lege sie dort vorne auf den Besucherstuhl.”
“Oh, okay” Ich gab sie ihr, aber nun hatte ich nichts mehr, an das ich mich klammern konnte. Meine Hände zitterten leicht und nochmals strich ich sie an meiner Jeans ab, wo ich sie dann auch ablegte. Kurz schloss ich die Augen und atmete tief durch, auch um die Geräte um mich herum nicht sehen zu müssen. Die Zahnarzthelferin wuselte hinter mir, schob Schubladen auf, es klapperte, dann legte sie weitere Dinge auf das Tablett vor mir. Ich linste durch die Wimpern. Es waren mehrere spitze Sonden.
“Der Arzt wird gleich hier sein”, sagte sie nochmals, setzte sich dann auf den Rollhocker auf der linken Seite und schob sich außerhalb meines Blickfeldes. Ich drehte meinen Kopf, um zu sehen, was sie machte. Sie tippte etwas in den Computer, ein Zahnschema erschien auf dem Monitor.
>Jetzt noch blank und hoffentlich nachher mit nicht allzu vielen Defekten.<
Schritte näherten sich, dann öffnete sich die Tür des Behandlungszimmers.
“Einen wunderschönen guten Tag, mein Name ist Dr. Sebastian Schmitt und Sie müssen Frau Meyer sein, richtig?”
Ich nickte schüchtern. Der Zahnarzt war noch sehr jung, mit kurzen braunen Haaren und einem netten Lächeln im Gesicht. Er schnappte sich Handschuhe aus einer Box und nahm dann schwungvoll auf einem Sattelhocker neben mir Platz.
“Sie sind zur Kontrolle hier, wie ich gesehen habe? Dann wollen wir mal sehen”
Der Behandlungsstuhl bewegte sich, die Lehne glitt nach hinten, während meine Beine nach oben wanderten. Ich schluckte nervös, als ich sah, wie der Arzt die Lampe auf meinen Mund ausrichtete, sich den Mundschutz nach oben zog und die Instrumente zur Hand nahm.
sehr gut geschrieben - weiter so :-)
Sehr realistisch geschrieben. Ich bin s…
Wieder ein sehr schöner Teil und alles …
Super realistisch beschrieben, ich kann…