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Aufrufe: 213 Created: Vor 1 Woche Updated: Vor 1 Woche

Lauras ungeplanter Zahnarzttermin

Die Behandlung

Sophie kannte es bisher so, dass der Zahnarzt vorher erklärt, was gemacht werden muss, anschließend den betreffenden Zahn betäubt und behandelt - meist in einem Folgetermin.

Umso überraschter ist sie, als der Bohrer plötzlich aufheult.

Nachdem sie Lauras Behandlung beigewohnt hat, wünschte sie sich, doch besser eine Spritze bekommen zu haben, aber er hat sie nicht einmal gefragt.

‘Wird schon nicht so wild sein’, beruhigt sich Sophie, als der Bohrer sich zügig immer tiefer in ihren oberen Backenzahn frisst, ‘es sind ja nur kleine Löcher, nicht so, wie bei Laura’.

Zum Glück tut das Bohren nicht weh, stellt sie mit Beruhigung fest. Dann muss sie lächeln: ‘ja, Laura war schon immer sehr wehleidig. Stellt sich immer etwas an - so dramatisch ist das alles ja gar nicht.’

Also entspannt sie ein bisschen und versucht, die Behandlung möglichst lässig über sich ergehen zu lassen. Wenn sie hier schon im Stuhl lag, dann durfte Laura zumindest sehen, dass so eine Behandlung auch ohne Spritze entspannt ablaufen kann.

Sophie will gerade ihre Beine übereinander schlagen, um ihre Lässigkeit zu betonen, als das Ziehen des Bohrers einsetzt. Ein kalter, metallischer Schmerz, mit dem sie nicht gerechnet hat - ohne Vorwarnung, direkt da.

Ihre Hände krallten sich unwillkürlich in die Armlehnen. ‘Autsch! Aua!’, geht es ihr durch den Kopf. Wie eine eiskalte stählerne Hand schließt sich das Gefühl um ihren Zahn und Teile des Oberkiefers.

Dr. Braun nimmt nicht die geringste Notiz von Sophies Unbehagen. Unbeirrbar arbeitet er konzentriert weiter, presst den Bohrer weiter und tiefer in den Zahn.

Binnen Sekunden überkommt Sophie der heftige Bohrschmerz. Ein Gefühl, dass sie nur schwer beschreiben kann, sie schlagartig in Beschlag nimmt und ihr wortwörtlich Hören und Sehen vergeht: Vor ihren Augen verschwimmt das Bild, alle ihre Sinne sind nur noch auf diesen Bohrer und den Zahn fokussiert. Sie verkrampft die Brust. Dieser schlagartig zunehmende Schmerz paralysiert sie und wie automatisch stöhnt sie leise auf.

‘Wie peinlich!’, geht es ihr durch den Kopf, als sie ihr Stöhnen registriert. Schlagartig wird ihr bewusst, dass Laura am Fußende auf dem Besucherstuhl sitzt und alles mitverfolgt. Sie, Sophie, mit ihren makellosen Zähnen liegt auf einmal selbst wimmernd im Stuhl! Sie wünscht sich, dass sich unter ihr ein schwarzes Loch öffnet und sie darin verschwinden kann.

Mit Mühe reißt sie sich zusammen, was immer schwerer fällt, weil der Bohrer immer tiefer in den Zahn vordringt und der Schmerz allgegenwärtig bleibt. Ihre Brust verkrampft immer mehr, und der Griff ihrer Hände um die Armlehnen wird immer fester.

Ist dieses Bohren wirklich so schlimm? Die wenigen Male, die sie erleben durfte, wurde immer mit Betäubung gearbeitet. Zum Glück, wie sie jetzt im Nachhinein feststellt.

Warum hat sie diesmal keine Betäubung gekriegt? Sophies Körper ist bis aufs Äußerste angespannt, während der Bohrer ihren Backenzahn malträtiert. Das Wasser der Wasserkühlung bildet einen feinen Nebel und kleinere und größere Wasserspritzer landen kühl auf ihrem Kinn und Gesicht.

Sophie weiß noch immer nicht, wie ihr geschieht. Ein kurzer Gedanke zieht vorbei, in dem sie bereut, sich heute überhaupt in diesen Stuhl gesetzt zu haben. Dann übermannt sie wieder der dumpfe, kalte Schmerz und ihre Gedanken sind wieder voll auf den Bohrer fokussiert.

Wie lange dauert das denn noch? Wie viel muss überhaupt noch vom Zahn weggebohrt werden? Ist das Loch wirklich so groß - Dr. Braun sagte doch, die Löcher seien klein?

Tränen steigen ihr in die Augen, als sie erneut versucht, dem überkommenen Drang zu widerstehen, nochmals aufzustöhnen. Was sollte Laura denken? Sie verfluchte, sich hier heute in diesen Stuhl gesetzt zu haben.

Eine gefühlt endlose Zeit vergeht, als Dr. Braun den Bohrer wieder zurückhängt. Sophie atmet auf - geschafft!

Dr. Braun greift zur Sonde und kontrolliert den aufgebohrten Zahn sorgfältig.

Im Augenwinkel sieht sie, wie der Zahnarzt wieder einen Bohrer heranzieht. Panik steigt in ihr auf.

“Jetzt müssen wir hier nur noch die Karies entfernen”, erklärt Dr. Braun beiläufig, und fast im selben Moment vibriert Sophies ganzer Schädel. Ein fräsender Bohrer macht sich in ihrem Zahn zu schaffen, und die Vibration und der Schmerz durchzieht ihren ganzen Körper. Tränen schießen ihr in die Augen. Autsch, dieser Bohrer ist wirklich fies.

Erschöpft lässt sie sich im Stuhl sinken, als der Bohrer wieder zurückgehängt wird. Dr. Braun kontrolliert das Bohrloch und scheint zufrieden. Sophie entspannt - geschafft! Das war’s hoffentlich, zumindest mit dem Bohren - der Zahn ist fertig präpariert!

Nach dieser verspannten Körperhaltung rutscht Sophie sich wieder im Stuhl zurecht, um wieder eine halbwegs bequeme Liegeposition zu finden. Die Füllung - das wusste sie - ist schließlich immer der längste, wenn auch harmloseste Teil der Prozedur. Ihr Kiefer schmerzt und sie freut sich, den Mund schließen zu können, sobald die Helferin diesen blöden Sauger aus ihrem Mund genommen hat.

Dann merkt sie erst, wie verkrampft sie im Stuhl lag. Plötzlich scheint sie Lauras Blick zu spüren. Wie uncool. Schnell versucht sie, eine möglichst lässige Haltung einzunehmen. Wenn schon das Bohren wenig rühmlich war, so wollte sie zumindest ab jetzt souverän wirken - gar nicht so leicht, wenn man so weit zurückgelehnt im Stuhl hängt.

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spankinglover Vor 1 Woche 2
zahnfritz Vor 1 Woche 1
spankinglover Vor 1 Woche
Nett1 Vor 1 Woche 1
Henk de G Vor 1 Woche 2