Nur ein kleine Loch
„Machen Sie den Mund weit auf.“
Julia sitzt im Wartezimmer, die Hände ineinander verschränkt. Ihr Blick wandert über die weißen Wände, die sterile Ordnung, den Kalender mit dem makellosen Lächeln eines Models. Aus einem der hinteren Zimmer dringt das hohe Sirren einer Turbine. Erst gedämpft, dann schrill. Sie zuckt leicht zusammen. Das Geräusch schneidet durch die Stille wie ein Messer.
Neben ihr blättert jemand in einer Zeitschrift. Das Rascheln wirkt überlaut. Der Geruch von Desinfektionsmittel liegt in der Luft, gemischt mit einer süßlich-chemischen Note. Julia atmet flach. Seit mehreren Jahren war sie nicht mehr hier. Sie ist sehr nervös.
Eine Tür öffnet sich. Die Assistentin tritt heraus. „Julia, Sie sind dran.“
Julia steht auf, ihre Knie fühlen sich weich an. Sie folgt ihr durch den Flur, an geschlossenen Türen vorbei, aus denen ab und zu das kurze, metallische Klacken eines Instruments dringt.
Im Behandlungszimmer ist alles hell, fast grell. Der attraktive Zahnarzt steht am Waschbecken, desinfiziert die Hände. Sein Blick ist konzentriert, sachlich, ohne Lächeln.
Du setzt dich in den Stuhl, die Rückenlehne knarrt leicht und der Lunstledernezug fühlt sich glatt und leicht kühl an. Das Kunstleder klebt leicht an der Haut, die Hitze staut sich ein wenig. Dein Körper ist angespannt, Dein Herz schlägt schneller und die Kombination aus Nervosität und klebrigem Gefühl verstärkt das unangenehme Empfinden.
Das grelle Licht blendet direkt ins Gesicht. Die Luft riecht steril. Dein Herz schlägt schneller, und die Kombination aus Nervosität und klebrigem Gefühl verstärkt das unangenehme Empfinden.
Die Assistentin legt die Serviette an.
„Gleich geht es los“, sagt sie aufmunternd. Doch Julia merkt, wie ihr die Röte ins Gesicht steigt. Sie denkt daran, wie ihre Zähne aussehen: die alten Füllungen, die dunklen Ränder, die Karies. Es ist ihr unangenehm, so nah vor jemandem zu sitzen, der alles sieht – jeden Fleck, jeden Defekt.
„Machen Sie den Mund weit auf.“ Die Stimme klingt streng, routiniert. Kein Platz für Unsicherheit.
„Wo macht es Probleme?“ sagt der Zahnarzt ruhig, während du den kalten Spiegel im Mund spürst.
„Links oben, ganz hinten“, sagt Julia leise.
Wann waren Sie zuletzt beim Zahnarzt?“
„Etwas länger her.“
„Das sieht man.“ Der Zahnarzt sagt es ohne Spott, aber deutlich. Er tippt gegen die Zähne im linken Oberkiefer, prüft. „Tut das weh?“
„Ein bisschen.“
„Hm. Dann schauen wir mal.“ Er greift nach dem Eisspray, prüft Zahn um Zahn. Kälte, Druck, ein kurzes Brennen. Julia spürt, wie sich ihr Körper anspannt. Als der Zahnarzt den betroffenen Zahn berührt, zuckt sie. „Hier also. Reagiert auf Kälte.
Der Zahnarzt lehnt sich leicht vor, betrachtet den Zahn 28 im Spiegel. „Hm, das sieht nach einer kleinen okklusalen Läsion aus“, murmelt er „Das machen wir schnell.“
Und die Nachbarzähne 27 und 26 haben auch Karies. Das müssen wir alles machen.“
Julia nickt und atmet kaum hörbar auf. Ein kleines Loch klingt harmlos.
Er spricht leise mit der Assistentin, nennt Zahnnummern, Flächen, Instrumente.
Der Zahnarzt richtet sich auf. „Wir fangen mit 28 an. Der Stuhl wird weiter nach hinten gefahren.
Julia liegt fast kopfüber, der Hals ist gedehnt, der Rücken spürt die Lehne unter den Schulterblättern.
Der Zahnarzt zieht seine Handschuhe glatt, greift nach dem Winkelstück. Das metallische Klicken, als er den Bohrer einsetzt, hallt kurz durch den Raum. „Mund weit auf, bitte.“
Der Bohrer startet mit einem hellen Sirren. Erst nur leicht, dann scharf und durchdringend. Wasser sprüht gegen die Wange, kühlt kurz, doch im selben Moment zieht ein Schmerz durch den Zahn. Julia spannt den Kiefer an, versucht, sich nichts anmerken zu lassen.
Sie hört seine ruhige Atmung, riecht den leichten Duft seines Parfums. Gleichzeitig ist sie sich jedes Schmerzes, jedes Geräuschs bewusst.
Er sagt leise: „Das ist nur oberflächlich, keine Sorge.“ Doch sie weiß, dass es tiefer gehen wird.
Das Pfeifen der Turbine beginnt. Das metallische Sirren setzt ein. Kaltes Wasser, heller Schmerz, kurz zuckt sie. „Tut das weh?“ fragt er.
„Ein bisschen“, antwortet sie schnell, obwohl es deutlich mehr ist.
Sie verspürt Angst, aber gleichzeitig auch Erregung.
Er stoppt, schaut sie kurz an. „Sie haben gewartet, bis es weh tut. Das ist nie gut. Wir machen weiter.“
Sie nickt, wagt keinen Blick. Ihr Herz hämmert, ihre Finger verkrampfen sich. Es ist nicht nur der Schmerz. Es ist dieses Gefühl, sich nicht verstecken zu können – der offene Mund, das grelle Licht, sein konzentrierter Blick.
Sie hört nur noch das gleichmäßige Pfeifen, spürt die Vibrationen, das Ziehen im Kiefer. Ihre Wangen sind heiß, die Augen feucht.
Der Zahnarzt arbeitet schnell. Spiegel, Sonde, kurze Anweisung an die Assistentin. „Sauger bitte. Licht tiefer.“
Julia liegt da, starrt an die Decke. Sie hört jedes Klacken des Instruments.
Der Turbinenbohrer startet, zuerst leise, dann schrill, das charakteristische Pfeifen durchdringt den Raum. Ein Sprühnebel Wasser kühlt die Oberfläche, gleichzeitig zieht ein kalter, ziehender Schmerz tief ins Dentin von Zahn 18.
Das Summen ist laut und scharf. Es kratzt im Zahn, unangenehm, aber noch erträglich. Der Zahnarzt bohrt ruhig, hält zwischendurch an, spült, schaut mit dem Spiegel. Dann geht er tiefer. Ein heller Schmerz zieht durch den Zahn. Julia verzieht das Gesicht. Der Zahnarzt nickt knapp. Julia atmet flach durch die Nase.
Gebohrt wird erst okklusal, dann auch mesial und distal. Der Bohrer schneidet Schmelz und Dentin, das kariöse Material splittert.
Je tiefer der Zahnarzt bohrt, desto heißer fühlt sich der Zahn an. Stechender Schmerz. Der Zahnarzt zieht den Bohrer zurück, spült, sondiert und setzt wieder an.
Der Turbinenbohrer dringt immer tiefer ein, zuerst leise, dann schrill, das charakteristische Pfeifen durchdringt den Raum. Ein Sprühnebel Wasser kühlt die Oberfläche, gleichzeitig zieht ein kalter, ziehender Schmerz tief ins Dentin. Der Sauger erzeugt ein konstantes, tiefes Rauschen, fast wie ein leises, schnelles Strömen von Wasser.
„Hm.“ Der Zahnarzt stoppt, lehnt sich näher. „Das Loch geht tiefer als gedacht.“ Er entfernt Reste der kariösen Masse, tastet mit der Sonde. „Wir müssen tiefer bohren.“ Das Dentin ist weich und bröckelig. Der Bohrer gleitet hindurch.
Julia spürt, wie ihr Herz schneller schlägt.
„Ich öffne das jetzt etwas weiter“, sagt der Zahnarzt ruhig, aber bestimmt. Das Sirren setzt wieder ein. Der Bohrer fräst sich immer tiefer in den Zahn, die Vibration kriecht in den Kiefer. Julia verkrampft die Finger in der Armlehne.
„Die Karies reicht bis nahe an die Pulpa.“
Plötzlich stoppt das Geräusch. Der Zahnarzt beugt sich näher, prüft mit der Sonde. Ein leises Knacken, dann ein dunkler, süßlicher Geruch.
„Pulpa eröffnet“, sagt er knapp. Blut erscheint im Zahn.
Julia spürt einen stechenden, elektrischen Schmerz, der direkt ins Ohr zieht. Sie zuckt, presst die Zunge gegen den Gaumen, versucht stillzuhalten.
Ihr Kiefer fängt an zu zittern. Sie kann ihren Mund nicht mehr offenhalten.
Der Zahnarzt blickt auf. „Bereiten Sie bitte alles für eine Wurzelbehandlung vor“, sagt er ruhig zur Assistentin. Sein Ton ist sachlich, routiniert. Die Assistentin nickt, legt den Absauger ab und beginnt, das Tray umzurüsten.
Das Licht wird heller gestellt. Der Stuhl fährt etwas weiter nach hinten. Die Atmosphäre verändert sich. Kein Routinebohren mehr, sondern präzises, chirurgisches Arbeiten. Der Zahnarzt zieht neue sterile Handschuhe über, die Assistentin deckt den Instrumententisch ab und legt die benötigten Werkzeuge bereit: Feilen, Längenmessgerät, Kofferdam, Spritzen mit Natriumhypochlorit, sterile Papierspitzen.
„Kofferdam bitte“, sagt der Zahnarzt. Das blaue Gummituch wird gespannt, die Metallklammer sitzt fest am Zahn. Ein leises Klacken, als sie fixiert wird. Der Rest des Mundes ist abgedeckt, nur der betroffene Zahn bleibt sichtbar.
Ein Mundblock wird eingesetzt um den Mund offen zu halten und die Zähne sowie den Kiefer zu stabilisieren.
Er hat nun bessere Sicht und der Block sitzt rot dafür das mein unkontrolliertes Zucken aufhört.
Ich versuche, mich zu entspannen.
Der Zahnarzt tastet kurz den Knochenverlauf. „Tief durchatmen“, sagt er. Die Assistentin reicht die Spritze, die Metallkanüle glänzt im Licht.
Die Nadel berührt zuerst die Schleimhaut. Ein kurzer Stich, brennend, scharf, kaum eine Sekunde – dann drückt sie langsam das Anästhetikum hinein. Die Flüssigkeit verteilt sich unter dem Gewebe, erzeugt einen dumpfen, drückenden Schmerz, der sich ausbreitet wie eine Welle. Es zieht leicht bis in die Lippe, in die Nase, manchmal ins Ohr.
Julia spürt, wie das Gewebe anschwillt, hart wird, das Gefühl von Druck unter der Haut. Der Geschmack des Mittels läuft leicht über die Zunge, bitter, chemisch. Ein feines Pochen im Kiefer, dann ein Kribbeln, das sich ausbreitet.
Nach wenigen Sekunden fühlt sich die Wange taub an. Schwer, fremd, als läge eine Schicht Watte zwischen Haut und Knochen. Die Zunge verliert Gefühl, die Lippen wirken unbeweglich, als gehörten sie nicht mehr ganz dazu.
„Wir machen jetzt sofort eine Wurzelbehandlung.“
Der Zahnarzt greift nach der Endo-Sonde, öffnet die Kanäle weiter. Das kalte Metall dringt tief in den Zahn. Julia spürt, wie der Schmerz in Wellen kommt, heiß, brennend, unkontrollierbar. Ein Tropfen Blut mischt sich mit Wasser aus dem Spray, läuft langsam über das Gummituch.
„Pulpakammer offen. Starke Blutung.“ Der Zahnarzt spricht sachlich, fast mechanisch.
Der Zahnarzt beginnt mit dem Zugang,
Das Licht wird optimal ausgerichtet. Bohrer fräst weiter.
Dir laufen vor Schmerz Tränen die Wange runter. Du wimmerst.
„Die Betäubung wirkt nicht richtig, hm?“ fragt der Zahnarzt.
Julia nickt.
„Dann müssen Sie jetzt durch.“
Das Blut tritt läuft weiter aus der Pulpenkammer, wird sofort abgesaugt. spürst die feuchte Wärme.
Die Assistentin hält den Absauger dicht an der Stelle, doch immer wieder sammelt sich Blut, das die Sicht behindert. Der Zahnarzt spült mehrere Male mit Natriumhypochlorit. Die Lösung schäumt kräftig auf, löst entzündetes Gewebe und Keime, gleichzeitig wird die Blutung reduziert. Jeder Spülvorgang wird abgesaugt, die Kammer bleibt jedoch noch feucht und leicht blutverschmiert.
Die Öffnung selbst wirkt nun größer, rundlich, mit glatten Wänden, die Entzündung und das Blut zeigen sich tiefrot im Zentrum. Der Zahnarzt arbeitet konzentriert. Ein feiner Rosenbohrer wird eingesetzt, um das restliche matschige Dentin zu entfernen.
Nach jeder Spülung wird der Zahn erneut abgesaugt, die Pulpenkammer kontrolliert, das Blut reduziert, bis die Kanaleingänge frei sichtbar sind. Erst dann beginnt die systematische Aufbereitung der Wurzelkanäle, Schritt für Schritt, Kanal für Kanal. Die Blutung bleibt spürbar, die Pulpa stark entzündet, jeder Spülvorgang sorgt für kurze Beruhigung der Sicht, bevor der nächste Kanal bearbeitet wird.
„Wir gehen jetzt mit den Feilen rein.“
Julia atmet stoßweise. Sie spürt das ruppige Gefühl und hört das schabende Geräusch , als die erste Feile eindringt. Der Schmerz ist so deutlich, dass sie kaum den Kopf stillhalten kann.
Die Assistentin umgreift ihren Kopf fest mit beiden Händen.
„Bitte ruhig bleiben“, sagt der Zahnarzt leise, „Wir sind gleich an der Wurzelspitze.“
Ein tiefes Stechen. Der Zahnarzt wischt die Feile ab, kontrolliert die Länge. „Wir gehen tiefer. Reicht bis fast an die Apex.“ Sie greift zur nächsten Feile, etwas dicker, ISO 20. Wieder das Eindringen, wieder dieses schneidende Gefühl. Julia presst die Fersen in die Stuhlkante, will nicht schreien.
„Starke Reaktion“, bemerkt der Zahnarzt. „Pulpagewebe noch vital.“ Sie blickt kurz auf, dann nimmt sie eine sterile K-Feile, beginnt, das Gewebe zu entfernen. Das leise Kratzen wird schneller, rhythmisch. Ein kurzer, heller Schmerz zieht plötzlich durch den ganzen Kiefer, Julia zuckt.
„Das war der Nerv“, sagt der Zahnarzt ruhig.
Ein Tropfen Blut steigt im Kanal hoch. Die Assistentin saugt ab. Der Zahnarzt spült erneut, prüft die Gängigkeit mit dem Endo-Block. Dann greift er zur nächsten Feile, „ISO 25“, dreht sie gleichmäßig, tiefer, bis der Widerstand nachlässt.
Julia hört die Geräusche der Instrumente, das Rascheln der Folien, das gleichmäßige Summen des Saugers. Ihre Finger zittern leicht.
Sprühgeräusch, dann das Brennen der Spüllösung. Julia schmeckt den chemischen Geschmack, trotz Kofferdam, ganz leicht im Rachen.
„Jetzt sind die Kanäle sauber“, sagt der Zahnarzt. „Wir trocknen und legen Kalziumhydroxid ein.“ Die Assistentin reicht sterile Papierspitzen, saugt die Flüssigkeit ab, eine nach der anderen. Dann folgt das leise Einsetzen der Paste.
Der Zahnarzt füllt präzise, verschließt die Öffnung provisorisch mit Kavit. „Das lassen wir so, bis sich die Entzündung zurückbildet.“ Er entfernt den Kofferdam, wischt die Mundwinkel sauber.
Julia liegt still da, der Geschmack von Blut und Desinfektionsmittel noch im Mund. Der Zahnarzt zieht die Handschuhe aus, schaut sie kurz an.
„Das war schmerzhaft, ich weiß. Wir sehen uns in einigen Tagen wieder.“
Julia nickt schwach, spürt, wie ihr der Puls bis in die Schläfen schlägt. Der Zahn pocht, dumpf und tief.
es wird ohnehin übertrieben mit den den…
Schön geschrieben. Sehr vernünftig, das…
Sehr gut geschrieben. Beim lesen kann i…
super geschrieben weite so