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Aufrufe: 211 Created: Vor 2 Wochen Updated: Vor 2 Wochen

Der Weg zur Perfektion

Das Zentrum und der verborgen Raum

Sie erreichte die Adresse. Es war kein Gebäude, das man mit Medizin in Verbindung bringen würde. Es handelte sich um ein anonymes, kühles Bürogebäude mit einer Fassade aus spiegelndem Glas und Stahl, das eher an eine Privatbank oder eine teure Anwaltskanzlei erinnerte. Es gab weder ein rotes Kreuz noch ein auffälliges Schild. Nur eine kleine, fast versteckte Plakette aus gebürstetem Metall neben dem Summenknopf: „Zentrum für Spezielle Abklärungen”.

Maggy drückte den Knopf, die Tür öffnete sich mit einem leisen Surren. Sie trat in ein Foyer, das ihre Verwirrung nur noch steigerte.

Es war hell, beinah blendend, und extrem minimalistisch. Es gab kein Wartezimmer mit zerlesenen Zeitschriften, keine hustenden Patienten und keine Anmeldeschlange. Der Raum roch nicht nach Desinfektionsmittel, sondern nach nichts – vielleicht nach teurem Stein und Ozon. In der Mitte stand nur ein massiver Tresen aus poliertem, schwarzem Stein, an dem eine einzelne Rezeptionistin saß, die eher wie eine Concierge eines Luxushotels wirkte.

Als Maggy eintrat, blickte sie auf. Ihr Lächeln war höflich, aber undurchdringlich. „Frau Wagner? Dr. Weber erwartet Sie bereits.“

Keine Wartezeit. Das war kein gutes Zeichen. Es fühlte sich an, als würde sich das Unvermeidliche beschleunigen. Die Frau deutete auf eine einzelne, unauffällige Tür aus hellem Holz am Ende des kurzen Flurs.

Maggys Hand zitterte leicht, als sie klopfte.

„Herein!“

Sie trat ein und erstarrte. Sie hatte sich auf einen sterilen Raum, grelles Licht und einen Gynäkologenstuhl eingestellt. Stattdessen stand sie in einem komfortablen, privaten Büro. Das Licht war gedämpft und indirekt. Auf einem dicken Teppich standen schwere, bequeme Sessel, an der Wand befand sich ein Bücherregal und daneben stand ein moderner Kaffeevollautomat. Ein großer Schreibtisch aus dunklem Holz dominierte den Raum. Es roch nach Leder und einem Hauch von Kaffeebohnen.

Dr. Weber stand von seinem Schreibtischsessel auf und kam ihr entgegen. Er trug keinen weißen Kittel, sondern einen dunklen Kaschmirpullover und eine elegante Hose. Sein Blick war ernst, aber nicht kalt. Er wirkte konzentriert und fast väterlich-freundlich.

„Schön, dass Sie da sind. Bitte setzen Sie sich, Maggy“, sagte er und deutete auf einen der Ledersessel ihr gegenüber. „Tut mir leid, dass das so abrupt kommen musste, und vor allem an diesem Ort.“

Maggy ließ sich auf die Kante des Sessels fallen und umklammerte ihre Tasche. „Was ist los?“, fragte sie mit belegter Stimme, die kaum lauter als ein Flüstern war. Sie war auf alles gefasst. Krebs. Unfruchtbarkeit. Das Schlimmste. „Ist etwas Schlimmes?“

Dr. Weber setzte sich ihr gegenüber. Er faltete die Hände auf dem Schreibtisch und sah sie direkt an. „Es gibt absolut keinen Grund zur Panik, Maggy. Ihre Werte sind in Ordnung.“

Maggy atmete zittrig aus. „Aber warum dann das alles?“ „Der wahre Grund, warum ich Sie in dieses Zentrum gerufen habe“, fuhr er mit ruhiger, sachlicher Stimme fort, „ist die bevorstehende Schwangerschaft.“

Maggy starrte ihn an. Was? Das passte nicht zusammen.

„Dieses Zentrum ist auf Präkonzeptionsplanung spezialisiert“, erklärte Dr. Weber. „Da Sie und Ihr Partner es bald versuchen möchten, wollte ich heute eine absolute Null-Linie herstellen. Wir wollen die bestmöglichen, reinsten Startbedingungen schaffen. Eine Schwangerschaft erfordert ein innerlich und äußerlich völlig reines System.“

Er machte eine kurze Pause, ließ die Worte wirken, bevor er zum Kern kam. „Und das erfordert ein strenges Protokoll, das sofort durchgeführt werden muss. Wir brauchen eine komplette innere und äußere Reinigung.“

Maggy nickte unsicher. „Reinigung?

„Das schließt“, fuhr Dr. Weber ungerührt fort, „eine Vollrasur des gesamten Intimbereichs, eine gründliche Dusche und einen Einlauf ein.“

Diese Worte trafen Maggy wie ein physischer Schlag. Eine Welle heißer, tiefer Scham schoss ihr ins Gesicht. Sie fühlte sich ertappt. Ihre Gedanken rasen zu ihrem eigenen Zustand: Sie ist ungeduscht, hat noch die Reste ihrer Periode und ist unrasiert. Sie wollte im Boden versinken. In dieser makellosen, teuren Umgebung kam sie sich plötzlich grob, schmutzig und völlig fehl am Platz vor. Die Tränen stiegen ihr in die Augen – eine Mischung aus Demütigung und Verwirrung.

„Ich weiß“, sagte Dr. Weber sanft, aber bestimmt, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Das ist unangenehm und sehr invasiv. Aber für die absolute Klarheit der folgenden Untersuchung und die Vorbereitung der Einnistung ist dies unumgänglich.“

Noch bevor Maggy protestieren oder auch nur nicken konnte, stand Dr. Weber auf. Er ging zu einer unauffälligen Tür in der Wandvertäfelung, die wie ein Wandschrank aussah.

„Ich mache das selbst“, sagte er, als er die Tür öffnete. „Ich muss sicherstellen, dass alles absolut keimfrei und nach dem exakten Protokoll für die Präzisionsuntersuchung vorbereitet ist.“

Er trat beiseite und gab den Blick frei. Es war kein Wandschrank. Der Raum dahinter war eine hochfunktionale, sterile „Vorbereitungszelle“. Sie erinnerte nicht an ein Krankenhausbad, sondern eher an ein privates Spa, ausgeführt in glänzendem Chrom und kühlem Stein, aber unbarmherzig hell ausgeleuchtet. Auf der einen Seite befand sich eine große, ebenerdige Glasdusche, auf der anderen eine gepolsterte, medizinische Liege, deren Zweck unmissverständlich war. In einem offenen Spiegelschrank lagen bereits versiegelte Sets, Handtücher und Flaschen bereit.

Comments

Bumholelicker Vor 2 Wochen 1
peter008 Vor 2 Wochen