Auf dem Behandlungsstuhl
Teil 3: Die Wurzelbehandlung
Die Assistentin reicht Doktor Müller eine große Spritze aus Metall.
Er nimmt die Spritze und hebt leicht die Wange an. Er sticht mir oberhalb der Zahnwurzel in den rechten Oberkiefer und injiziert langsam das Betäubungsmittel.
Ich verspüre ein starkes unangenehmes Druckgefühl und wimmere leicht. Meine Lippe fühlt sich pelzig an.
„Da müssen Sie jetzt durch Anna,“ sagt Doktor Müller zu mir. „Es kann sein, dass die Spritze nicht richtig wirkt, da der Zahn stark entzündet ist. Wir werden den Zahn jetzt aufbohren, die alten Restaurationen und die Pulpa entfernen. Dann werden wir die Kanäle säubern und für eine paar Tage ein Medikament einlegen. Der Zahn wird wahrscheinlich noch etwas weh tun. Die Karies ist bereits tief vorgedrungen. Wir werden den Zahn über Kronen müssen. Wenn ich die Karies entfernt habe, von dem Zahn nicht mehr viel übrig sein.“
Ich schließe die Augen. Eine Wurzelbehandlung, damit habe ich nicht gerechnet. Hoffentlich ist sie nicht so schmerzhaft wie man immer hört. Ich bin gelähmt vor Angst, aber öffne den Mund zaghaft. Doch viel schlimmer als meine Schmerzen kann so eine Behandlung nicht werden, versuche ich mir Mut zuzusprechen. Doktor Müller greift erneut zu Spiegel und Sonde. Er fährt mit der Sonde in den kariösen Zahn. Ein heftiger Schmerz durchzieht meinen Körper. Ich schließe schnell den Mund wieder.
„Anna, wenn sie den Mund nicht aufmachen, sehe ich mich leider gezwungen Ihnen den Mundspreizer einzusetzen.“
Ohne meine Antwort abzuwarten, hat er meinen Kiefer geöffnet und setzt mir blitzschnell die Sperre, ein. Nun kann ich nicht mehr sprechen.
Die Sprechstundenhilfe fixiert nun auch noch meine Arme mit Gurten an den Armlehnen.
Angst durchhzieht durch meinen Körper, doch gleichzeitig werde ich auch feucht zwischen den Beinen. Es hat etwas Erregendes, so hilflos und ausgeliefert auf dem Behandlungsstuhl zu liegen.
„Zahn 16,“ verkündet er und setzt den vibrierenden Bohrer an meinem schmerzenden Backenzahn im rechten Oberkiefer an. Ich spüre sofort ein Ziehen in dem pulsierenden Zahn und verspannte mich. Ich zucke kurz zusammen.
Die Assistentin hat mir bereits einen Speichelsauger in den Mund gesteckt. Tief und hart dringt der Bohrer in meinem Zahn ein. Ich verspüre sofort unsagbar Schmerzen. Die Betäubung scheint nicht richtig zu wirken. Tränen steigen wir in die Augen.
Der Zahnarzt schaut mich an. „Ja, Anna, wenn der Zahn stark entzündet ist, kann die Betäubung schlecht wirken. Das liegt daran, dass sich der pH-Wert im entzündeten Gewebe verändert, und das Betäubungsmittel dadurch schlechter in die Nervenzellen gelangt. Du hättest mit deinem Zahnarzttermin nicht so lange warten sollen. Nun musst du die Schmerzen aushalten?“
Ich versuche, ruhig einzuatmen und meinen Kiefer zu entspannen. Doch Doktor Müller arbeitet konzentriert weiter und drücken mir den Bohrer, immer tiefer in den Zahn.
Mich trifft ein unbändiger, stechender Schmerz wie ein Stromstoß. Ich werde panisch und fange an zu wimmern. Schweiß bricht mir aus, doch der Arzt hantiert weiter mit dem Bohrer in meinem Zahn rum. Die Wange ist taub, der entzündete Zahn leider nicht.
„So, die alte undichte Füllung ist entfernt. Nun werden wir die Karies darunter entfernen.
Sie ist sehr tief und geht interdental bis zum Zahnfleisch.“
Er setzt den Bohrer wieder an und drückt ihn erbarmungslos ins Dentin. Das Wasser spritzt und die Assistentin saugt es ab. Ich spüre, wie der vibrierende Bohrer gegen die Wände des Zahnes stößt. Der Zahnarzt nimmt den Bohrer aus dem Mund.
"Endlich!“, denke ich, es ist geschafft. Doch der Zahnarzt guckt seine Assistentin an. „Den Rosenbohrer bitte,“ sagte er zu seiner Assistentin.
Du siehst, wie die Assistentin eine Bohrspitze vom Tablett nimmt und ihm reicht.
Vorsichtig gehe ich mit der Zunge über meinen aufgebohrten Zahn.
Lediglich die dünnen Seitenwände scheinen noch zu stehen. Eine Ruine.
Doktor Müller wechselt den Bohrerkopf und drückt mir erneut erbarmungslos den rüttelnden Rosenbohrer ins Dentin. Langsam arbeitet er sich vor. Nun bearbeitet er den Zahn weiter distal bis zum Zahnfleisch. Der Schmerz wird unerträglich und ich fange wieder an zu wimmern. Nun widmet er sich wieder der okklusalen Fläche.
Ein rasender Schmerz durchzieht mich. Der Nerv liegt frei und ich verspüre einen Blutgeschmack im Mund. Der Zahnarzt setzt den Bohrer kurz ab, schaut mich an.
„Anna, wir haben nun die Pulpa, geöffnet, und es blutet stark, das deutet auf eine starke Entzündung hin. Wir werden die Eingänge erweitern und die Nerven mit einer dünnen Nadel entfernen.“
Das Blut wird abgesaugt und die Stelle gespült. Jeder Sprühstoß Wasser besorgt für einen weiteren Schmerz. Er nimmt den Bohrer wieder in die Hand?
„Wir werden jetzt die Zugänge erweitern. Das wird noch ein bisschen weh tun.“
Der Bohrer brummt wieder los, gräbt sich weiter vor und der stechende Schmerz dringt tief in mein Kieferinneres.
Danach lässt der Schmerz etwas nach, weil das entzündete Gewebe geöffnet ist und der Druck im Zahn sinkt. Ich schmecke weiter Blut in meinem Mund.
Der Zahnarzt setzt endlich den Bohrer ab. „So, nun werden wir die Nerven entfernen. Das verursacht noch einmal Schmerzen,“ sagt er sachlich.“
Die Assistentin reicht Ihm einen Behälter in dem verschiedenen Nadeln stecken.
„Im Zahninneren liegt das entzündete Nervengewebe. Es wird mit feinen Nadeln entfernt."
Ich spüre, wie er mir die Nadel in die entzündeten Nerven in den Zahnkanälen sticht
Vorsichtig entfernt er die Nerven. Ich verspüre ein Stechen, tief unten im Kiefer und stöhne auf.
Mein Kiefer fängt an zu zittern. Allein die Kiefersperre sorgt dafür, dass mein Mund offen bleibt. Doktor Müller steckt die Nadeln tief in meine Zahnkanäle.
Langsam, konzentriert entfernt aus allen vier Kanälen die Nerven.
Der Zahnarzt nutzt nun feine, biegsame Feilen. Sie gleiten in die Wurzelkanäle und erweitern die Kanäle. Ich spüre ein Druckgefühl im Zahninneren.
Der Zahnarzt setzt ab, schaut seine Helferin an und streckt zu einer Hand aus „Natriumhypochlorit bitte.“
Die Flüssigkeit wird mit einer Spritze in den Zahn gegeben. Ich schmecke etwas Bitteres und Chemisches.
Es entsteht ein kühlendes oder leichtes Druckgefühl entstehen, wenn die Lösung in die Kanäle gelangt. Doch die schlimmsten Schmerzen scheinen überstanden zu sein
Der Zahn fühlt sich hohl, dumpf und empfindlich an.
Ich verspüre noch ein Ziehen und Pochen. Langsam entspannt sich mein Körper.
Der Zahnarzt schaut wieder die Sprechstundenhilfe an.
Winzige Metallfeilen werden in die Wurzelkanäle eingeführt, um sie zu reinigen und zu erweitern. Ich spüre Druck im Zahn und Ziehen bis in den Kiefer, ein Pochen.
Doktor Müller wendet sich wieder an, mich : „Schmerz kann auftreten, wenn die Kanäle sehr entzündet sind.“ Erneut werden die Kanäle gespült und abgesaugt.
„Bitte Kalziumhydroxid“.
Der Zahnarzt und seine Assistentin scheinen sich auf ohne viele Worte zu verstehen.
Er schmiert mir eine weißliche Paste, leicht cremig in den hohlen Zahn.
„ Anna,“ er wendet sich wieder mehr zu,
„Dieses Medikament eirkt stark basisch und tötet Bakterien ab. Es fördert die Abheilung an der Wurzelspitze. Ich verwende es oft bei entzündetem oder bei vereiterten Zähnen wie bei ihrem. Dabei kann der Eiter abfließen."
Ich spüre, wie er mir wieder eine Nadel tief in den vereiterten Zahn sticht. auch über die Wurzelspitze hinaus. Erneut wird gefeilt und gespült.
„Kavit bitte.“ Zügig geht es weiter. Die Assistentin reicht ihm einen kleinen Spachtel mit einer weißen Paste. Er drückt die Paste mit aller Kraft, in meinen Zahn und presst sie fest.
„Nun Anna, der Zahn ist mit einer provisorischen Füllung verschlossen. Bitte, nicht auf der Seite kauen. In ein paar Tagen, wird der Zahn noch mal gespült und gereinigt.
Das wiederholen wir. Sollte die Entzündung in den nächsten Monaten nicht abklingen, müssen wir den Zahn leider ziehen.“
Er schaut so einer Sprechstundenhilfe an, nickt ihr zu und sagt: „Sie dürfen nach Hause gehen. Sie haben ja schon seit einer halben Stunde Feierabend. Den Rest bekomme ich alleine hin! Danke, dass Sie länger geblieben sind.“
Die Sprechstundenhilfe nickt mir kurz aufmunternd zu und verabschiedet sich.
Sie verlässt das Zimmer. Kurz darauf höre ich, dass die Tür ins Schloss fällt.
Doktor Müller zieht den Mundschutz und die Handschuhe aus und wirft sie in den Mülleimer.
"Anna, ich denke, wir beiden haben uns eine kurze Pause verdient, bevor wir weitermachen.“
Er nimmt mir die Kieferklemme aus dem Mund. Vollkommen erschöpft schließe ich meinen, Mund und blinzel in die grelle Lampe.
Wir sind jetzt offenbar ganz alleine. Ich habe mich wieder etwas gefangen.
Doch meine Wange pocht immer noch.
Sehr tapfer! Aber das ist eben auch der…
Sehr schön geschrieben. Man freut sich …
Sehr nice🦷👍 let‘s connect please 😷LG