Rehabiltationsmaßnahme

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“Anna und Julian?” Beide Anwesenden sahen auf und nickten. “Wenn ihr mir bitte folgen würdet.” Julian sank das Herz in die Hose. Wie ferngesteuert erhob er sich, streifte zwei der “Badelatschen” über und folgte den beiden anderen aus dem Zimmer, die Tür hinter sich zuziehend. Der Weg zum Untersuchungszimmer war nur drei Türen und eine Flurquerung lang, aber Julian kam sie abermals wie eine Ewigkeit vor. Der Umstand, dass kein Wort geredet wurde, trug wahrscheinlich noch weiter dazu bei. Der Arzt geleitete die beiden durch eine weitere schallgedämmte Tür ins Innere des Untersuchungszimmers. Es war etwa halb so groß wie “ihr” Zimmer, annähernd quadratisch und verfügte ebenfalls über eine offensichtlich verspiegelte Fensterfront. Das Zimmer selbst erinnerte Julian an seine Hausarztpraxis, links ein Arbeitstisch mit PC und zwei Stühlen davor, rechts eine Behandlungsliege. Einige geschlossene Hängeschränke und Kommoden, einzig der gynäkologische Stuhl neben der Behandlungsliege war etwas außergewöhnlich, überraschte Julian aber nicht sonderlich - darauf war er vorbereitet gewesen. Worauf er nicht vorbereitet gewesen war, war der Umstand, dass Anna und er offensichtlich im Beisein der jeweils anderen Person untersucht werden würden. Ein wenig Scham mischte sich zu seiner Nervosität. Der Stationsarzt war zum Arbeitstisch vorgegangen und hatte sich bereits auf den Bürostuhl gesetzt. “Setzt euch bitte.” Julian und Anna kamen der Aufforderung nach und Julian erwischte sich dabei, wie er einen Gedanken daran verschwendete, jetzt plötzlich geduzt zu werden.

“Also, ich werde euch vorweg ein wenig zu eurem Aufenthalt und dem Umgang hier erklären und dann an euch die Eingangsuntersuchung vornehmen. Das dauert nicht lange, vielleicht 15 Minuten. Wenn ihr Fragen habt, traut euch ruhig, diese zu stellen… Ach, ist das “Du” für euch eigentlich okay?” Julian und Anna sahen sich flüchtig an und nickten dann einstimmig. “Super, dann können wir ja anfangen.” Er rollte mit seinem Bürostuhl näher an den Arbeitstisch heran und klickte ein paar Mal auf seiner Maus herum “Ich bin Michael, euer zuständiger Stationsarzt. Ihr könnt mich natürlich auch gerne duzen. Ich sag’s vorweg schon, wir werden uns nicht so oft sehen, nur einmal die Woche oder wenn etwas besonderes vorgefallen ist. Eure Bezugspflegerin, ähm…” Er warf einen Blick auf seinen Monitor “Nadine wird die meiste Zeit mit euch zusammenarbeiten. Ihr lernt sie kennen, wenn wir hier fertig sind. Von ihr bekommt ihr auch euren Therapieplan. Aber alles zu seiner Zeit. Wir fangen jetzt erst einmal mit der Eingangsuntersuchung an. Da ihr die kommenden vier Wochen sehr viel Zeit miteinander verbringen werdet, machen wir das im Beisein aller Personen auf dem Zimmer, damit ihr von Anfang an Vertrauen zueinander aufbauen könnt. Wir haben euch dank der Informationen aus den Fragebögen, die ihr vor eurem Aufenthalt hier ausgefüllt habt, zusammen in ein Zimmer gelegt, damit sichergestellt ist, dass ihr miteinander klar kommt und ungefähr auf derselben Wellenlänge seid.” Julian musste sich unweigerlich an den Berg aus Papierkram erinnern, den er per Post zugeschickt bekommen hatte, in dem teilweise doch recht intime Fragen gestellt worden waren. Er schielte zu Anna herüber, die wahrscheinlich gerade an Ähnliches denken musste und beruhigte sich ein wenig mit dem Gedanken, dass sie wohl ähnliche Probleme und Neigungen haben musste wie er. "Ach Ja," fuhr der Stationsarzt fort, “Essen gibt’s jeden Tag einen Stock weiter oben um 9, 13 und 19 Uhr für jeweils eine Stunde. Der Speisesaal ist ausgeschildert, also kaum zu verfehlen.” Langsam fasste Julian ein klein wenig Vertrauen in den Arzt. Seine fast kumpelhaft wirkende Art und die Ruhe, die er ausstrahlte, ließen Julian seine Ängste ein wenig vergessen.

“Kommen wir zum interessanten Teil, der Untersuchung. Ich werde euch zunächst ein paar Fragen stellen. Danach muss ich mir euch beide einmal oberflächlich anschauen und einige Stellen abtasten. Wenn ihr ein Problem damit habt, von den hier anwesenden Personen nackt gesehen zu werden, dann habt ihr jetzt die Chance, das zu sagen, dann brechen wir die Untersuchung ab. Wenn ihr zwischendurch etwas nicht möchtet, sagt mir auch dann bitte Bescheid.” Seine kumpelhafte Art war verschwunden, man merkte Michael an, dass ihm dieses Thema äußerst ernst war. Julian und Anna sahen sich erneut an, ohne ein Wort miteinander zu wechseln. Diesmal dauerte der Blickkontakt etwas länger als vorher und Julian musste sich regelrecht von ihr losreißen, damit seine Fantasie keine Luftsprünge über das Kommende vollführte oder sich in Annas graublauen Augen verlor. Ihr Schweigen wurde wohl als Zustimmung gewertet, zumindest fuhr Michael fort, als wäre nichts gewesen. “Also. Julian, hier steht, du bist wegen des chronischen Beckenschmerzsyndroms hier.” Er nickte. “Haben sich deine Beschwerden in den letzten Tagen verschlimmert oder sind neue dazugekommen?” “Nein.” “O-kay”, antwortete Michael, während er ein paar Male mit der Maus klickte. “Hast du sonst irgendwelche Beschwerden?” “Nein, aktuell nicht.” “Alles klar.” Er wandte sich Anna zu. “Du bist für dich Nachsorge deiner Endometriose-Op hier?” “Ja, genau”, antwortete sie und Julian hätte schwören können, dass sie etwas aufgeregter als vorher klang. “Gab es bei der Op irgendwelche Komplikationen oder sind weitere Beschwerden aufgetreten?” “Nicht, dass ich wüsste.” “Sehr gut, das war es schon. Dann zieht euch beide bitte komplett aus und stellt euch nebeneinander hin.” Julian schoss das Blut in die Ohren, jetzt schien es wirklich ernst zu werden. Er sah zu Anna herüber. Auch sie war ein wenig errötet, dafür aber schon aufgestanden und dabei, ihre Strickjacke loszuwerden. Julian überwand sich erneut und stand ebenfalls auf, um sich auszuziehen. Er musste sich gar nicht zwingen, seine Blicke nicht umherschweifen zu lassen, zu peinlich wäre es ihm seiner eigenen Verwundbarkeit wegen in dieser Situation gewesen. Also tat er es Anna gleich und fing an, seine Klamotten loszuwerden. Seine Klamotten deponierte er auf dem Stuhl, auf dem er noch bis eben gesessen hatte. Er bremste sich selbst ein wenig bei seinen Bewegungen, versuchte dadurch, seine Aufregung zu kaschieren. Nicht dass es lange her gewesen sei, dass er selbst nackt vor fremden Menschen gestanden hätte. Bei dem Gedanken kam ihm ein für ihn doch recht peinliches Bild seiner selbst beim letzten Besuch seines Urologens in den Sinn, welches er schnell wieder aus seinen Gedanken zu vertreiben versuchte. Diese Situation hier war anders. Vielleicht hatte sie sogar den Hauch eines gewissen Reizes? Leider war keine Zeit, sich jetzt damit zu beschäftigen, als Julian feststellen musste, dass er fertig damit war, sich auszuziehen. Es war, als wäre er aus einer kleinen Trance erwacht, er hatte kurze Zeit völlig die Umgebung um sich herum vergessen und keine Ahnung, wie lange Michael und die mittlerweile ebenfalls nackte Anna auf ihn gewartet hatten. Ihre Gesichtsausdrücke ließen allerdings nicht darauf schließen, dass sie schon zu lange mit Warten beschäftigt waren, also riss Julian sich zusammen und legte seine Shorts, die er noch in der Hand gehalten hatte, vor sich über die Lehne seines Stuhls und trat einen Schritt zurück. Der Stationsarzt erhob sich aus seinem Stuhl und ging um seinen Tisch herum. Erst jetzt bemerkte Julian, dass Michael plötzlich ein Stethoskop um den Hals hängen hatte. Scheinbar war ihm das entgangen, als er sich gerade ausgezogen hatte. “Ich höre jetzt einmal eure Herztöne und Lungengeräusche ab, bitte stellt euch entspannt hin und atmet langsam und gleichmäßig.” Mit diesen Worten stellte sich der Arzt vor Julian, setzte das Stethoskop auf und legte die kühle Membran vorsichtig neben seiner linken Brust an. Julian zuckte um der Kühle des Instruments kurz zusammen, entspannte sich aber schnell wieder. Er versuchte sich auf seinen Atem zu konzentrieren, nicht auf das, was gerade um ihn geschah. Leichter gesagt als getan. Dazu kam noch, dass er beim Abhören generell nicht so recht wusste, was er in der Zwischenzeit mit seinen Augen anstellen sollte. Also blickte er einfach stur gerade aus. Nebenbei bemerkte er, wie die nunmehr nicht ganz so kalte Membran mehrfach die Position auf seiner Brust wechselte. Dann zog Michael das Instrument von Julians Körper zurück und konstatierte: “Herztöne sind unauffällig, ich höre mir schnell noch deine Lunge an.” Der Arzt stellte sich hinter Julian und machte Julian wieder das leicht klebrige Gefühl des Stethoskops auf seiner Haut aus. Auch hier wechselte es mehrfach die Position, bis sich der Stationsarzt nach kurzer Zeit Anna zuwandte. “Nun zu dir, ich fange bei dir mit der Lunge an. Bitte langsam und tief atmen.” Anna atmete geräuschvoll aus. Das Geräusch veranlasste Julian dazu, für eine Sekunde seinen Kopf in ihre Richtung zu drehen. Mist, das wollte er doch eigentlich vermeiden. Anna bemerkte ihn zu seinem Glück nicht, sie starrte genau wie er eben ausdruckslos nach vorne. Michaels Worte durchschnitten erneut die Stille: “Das hört sich auch gut an, jetzt noch die Herztöne…” Er machte ein paar Schritte um Anna herum und setzte das Stethoskop auch bei ihr knapp neben der linken Brust an. Julian meinte, eine leichte Gänsehaut bei Anna wahrgenommen zu haben, als er zu ihr herüber geschaut hatte, war sich aber nicht sicher, mit welchen Empfindungen ihrerseits diese zustande kam.

Mit zufriedenem Gesichtsausdruck ließ Michael von Anna ab und hängte sich das Stethoskop wieder um den Hals. “Bitte verschränkt die Arme hinter eurem Kopf, ich werde kurz eure Brüste abtasten. Wie gesagt, euch muss nichts peinlich sein, ihr werdet euch gegenseitig in den nächsten vier Wochen noch wesentlich öfter nackt sehen.” Julian musste den letzten Satz noch einmal in seinem Kopf wiederholen, um sicherzugehen, dass er ihn richtig verstanden hatte. Gleich danach fragte er sich, wie sinnvoll diese Untersuchung bei ihm als Mann wohl war, traute sich aber nicht, nachzufragen. Die Klinik würde schon ihre Gründe haben, die Untersuchung standardmäßig bei allen Patient*innen durchzuführen.

Während er seine Arme hoch nahm und sie hinter seinem Kopf verschränkte, versuchte er zu entscheiden, was er von der eben getätigten Aussage halten sollte. War das nur professionelles Geplänkel? Wurde damit ein spezieller Therapieansatz verfolgt? Oder lief da noch etwas ganz anderes, was sich außerhalb seiner für möglich gehaltenen Realität abspielte und eher in das Reich seiner tiefsten Wünsche gehörte? Er wusste es nicht. Und ohne mehr Wissen über das Kommende befand er es nur für logisch, diesen Gedanken erst einmal zurückzustellen. Während er sich erneut in seinen Gedanken verlor, hatte der Stationsarzt bereits damit begonnen, Annas recht zierliche, aber festen Brüste abzutasten. Julian rügte sich innerlich, er musste dringend im Hier und Jetzt bleiben. Solange er keinen der anderen beiden anwesenden Menschen besser kannte, wollte er sich keine besonderen Auffälligkeiten in seinem Verhalten leisten. Immerhin hatte das Gedankenkarussell ein Gutes: Julian hatte sich erfolgreich davon abgehalten, auf Annas Oberweite zu starren. Das wäre ihm wirklich peinlich gewesen. Michael schien ohnehin bereits fertig zu sein und wandte sich nun Julian zu. Er stellte sich vor ihm auf und fing an, seine linke Brust zu untersuchen. Die Hände auf Julians Haut fühlten sich warm und tatsächlich angenehm an, die Berührungen waren wirklich vorsichtig. Julian richtete seinen Blick stur gerade aus, er wollte einen Augenkontakt auch in dieser Situation nach Möglichkeit vermeiden. Aus dem Augenwinkel nahm er allerdings wahr, wie Anna ihre Arme wieder herunter nahm und sich flüchtig in seine Richtung drehte. Julian spürte ihren Blick förmlich über sich gleiten, nahm ihn aber nicht als belästigend, sondern eher als neugierig wahr. Inzwischen waren die Hände des Arztes zu Julians rechte Brust gewechselt und schienen dort schon beinahe mit ihrem Tun fertig zu sein. Julian bemerkte, dass sich seine Nippel versteift hatten. Das war zu erwarten, kein Grund zur Panik, hielt er an sich selbst.

“Alles bestens”, kommentierte Michael, “dann werde ich noch kurz eure äußeren Geschlechtsorgane ansehen und die Körperöffnungen abtasten. Anna, wir fangen wieder mit dir an.” Er wies in Richtung gynäkologischer Stuhl. Julian machte Anstalten, sich schnell wieder auf seinen Stuhl zu setzen, er wollte bei so etwas definitiv Annas Privatsphäre wahren. Ein leises “du brauchst dich nicht wegzudrehen, es ist okay wenn du zuschaust” von ihr hielt ihn auf. Anna strich im selben Moment hinter ihm vorbei - etwas näher, als Julian erwartet hätte. Für einen kurzen Moment spürte er Haut an Haut, was ihm einen kurzen Schauer über den Rücken jagte. Erneut verbot er es sich, zu lange über das Gesagte nachzudenken. Er drehte sich um und lehnte sich gegen die Lehne des Stuhls, wodurch er zwar auf Distanz blieb, aber alles von der bevorstehenden Untersuchung sehen konnte. Anna hatte inzwischen auf dem gynäkologischen Stuhl Platz genommen und ihre Beine in die Schalen gelegt. Julian erhaschte einen kurzen Blick auf ihren glatt rasierten Intimbereich, bevor Michael, der sich auf einen Rollhocker gesetzt hatte, vor Anna rollte und Julians Sichtfeld damit etwas einengte. Es störte ihn nicht unbedingt, auch im aktuellen Blickwinkel würde er genug mitbekommen. Allerdings konnte er Annas Gesicht vollständig sehen. Sie hatte ihm kurz einen vielsagenden Blick zugeworfen, den er nicht so richtig zu interpretieren vermochte. Michael griff nach einer Box neben der Polsterfläche des gynäkologischen Stuhls, zog zwei schwarze Latexhandschuhe heraus und streifte sie sich über. Ein Gleitmittelspender schien auf der anderen Seite des Stuhls vorhanden zu sein, welcher sich allerdings außerhalb von Julians Blickfeld befand. Julian machte ein paar flinke Bewegungen der behandschuhten Finger in der Nähe von Annas Intimbereich aus, offensichtlich war das Teil der optischen Inspektion. Der Gleitmittelspender wurde betätigt, gut erkennbar an seinem typischen Pumpgeräusch. Wenige Sekunden später sah Julian einen der Finger in Anna eindringen. Anna sog scharf Luft ein, sie schien selbst überrascht. Jedoch konnte Julian nicht erkennen, dass sie ihr Gesicht verzog, also musste es wohl angenehm für sie sein. Die Tastuntersuchung dauerte keine fünf Sekunden, da zog der Stationsarzt seinen Finger schon wieder aus Anna heraus. “Ich muss dich auch einmal rektal abtasten, ist das in Ordnung für dich?”, fragte er sie. Anna nickte kurz und brachte ein “Mhm” heraus. Schon verschwand der in schwarzes Latex verpackte Finger zwischen ihren Pobacken und Anna schloss kurz die Augen. Julian meinte, kurz eine Gänsehaut auf ihren Armen wahrzunehmen. Er war verblüfft. Er befand sich in einer Situation, die mit Scham beladen war wie keine andere in seinem Leben zuvor, aber Anna schien das sogar zu genießen. Er nahm sich vor, sie eventuell in Zukunft darauf anzusprechen.

“Das war es schon, dann könnt ihr beiden die Plätze tauschen.” Julians Gefühlswelt vollführte eine abrupte 180-Grad-Wendung. Dem kurzen Höhenflug von eben folgten wieder die altbekannte Scham und Angst. Er erhob sich und ging einen Schritt auf den Untersuchungsstuhl zu. Anna war bereits drauf und dran, von diesem herunter zu steigen. Julian musste sich eingestehen, dass er noch nie in seinem Leben auf so einem Ding gesessen hatte und dass ihm die damit einhergehenden Gefühle bisher unbekannt waren. Anna stand nun wieder auf dem Boden und tat ein paar Schritte zur Seite, um Julian den Weg frei zu machen. Sie blieb wesentlich näher am Ort des Geschehens stehen, als Julian sich getraut hatte, gerade etwa eine Armlänge von den Beinschalen entfernt. Julian fasste sich und ging auf den Stuhl zu. Erst jetzt bemerkte er seinen Halbmast, der beim Gehen fühlbar gegen seine Oberschenkel wippte. Zumindest verriet ihn sein Penis nicht vollständig, beruhigte Julian sich. Am Gestell des gynäkologischen Stuhls gab es eine kleine Aufstiegshilfe in Form einer metallenen Trittstufe, die er nutzte, um sich rücklings auf die Polsterfläche des Geräts zu befördern. Ein Bein nach dem anderen legte er in die Beinschalen ab und lehnte sich zurück. Er atmete tief durch. Er fühlte sich irgendwie ausgeliefert, schon beinahe hilflos. Julian wusste, dass ihm hier kein Leid geschehen würde, trotzdem tat er sich immer noch etwas schwer darin, die Kontrolle in solchen Situationen abzugeben und den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen. Fast automatisch griffen seine Hände nach den aus silbernen Metall bestehenden Streben für die Beinschalen. Sie waren ausgebuchtet, schienen also extra dafür gedacht zu sein.

“Alles okay? Das wird genau wie bei Anna ablaufen. Erst die visuelle Untersuchung und dann taste ich dich kurz rektal ab.” Michael schien Julians Aufregung bemerkt zu haben. Klar, der Mann war Profi und machte das bei weitem nicht zum ersten Mal. Julian nickte und bemerkte beiläufig, dass Anna das Geschehen aufmerksam beobachtete. Sie hatte ihre Arme verschränkt und ihren Körper leicht zur Seite geneigt und machte einen vordergründig interessierten Eindruck. Julian bereute es ein wenig, sich nicht übermäßig gründlich rasiert zu haben. Sein Intimbereich war zwar weit von einem Urwald entfernt, dennoch waren einige Stoppeln und diverse Härchen gut sichtbar. Viel Zeit, darüber nachzudenken blieb ihm aber nicht, schon spürte er wieder warme Hände in Latexhandschuhen auf seiner Haut. Sie tasteten vorsichtig nach seinen Hoden, griffen seinen Schaft, drehten ihn in alle Richtungen, zog seine Vorhaut kurz zurück und spreizten durch leichten Druck auf die Eichel den Eingang zu seiner Harnröhre. Michael war weiterhin sehr vorsichtig bei seinen Bewegungen und hätte Julian sich in einer vertrauteren Umgebung befunden, hätte er die Berührungen als sehr angenehm empfunden. Immerhin half ihm die fremde Situation, dass sein Körper nicht auf die Idee kam, den schon vorhandenen Halbmast weiter auszubauen. Die Finger in Latex ließen jetzt von seinem Penis ab und wechselten nach unten. Ab hier sah Julian nicht mehr, was geschah. Er spürte, wie seine Pobacken auseinander gezogen wurden, ein kühler Luftzug strich über seinen jetzt freigelegten Anus. Julian hatte den Kopf in den Nacken gelegt und gab sich den Sensationen hin. Er vernahm das Geräusch des Gleitmittelspenders und bevor er einen Gedanken dazu fassen konnte, spürte er schon die kühle Flüssigkeit an seinem Schließmuskel. Sein Penis zuckte auffällig, als der Finger den Widerstand überwand und in seinem Enddarm umher tastete. Als der Finger des Stationsarztes kurz über Julians Prostata strich, zuckte sein Schwanz erneut sichtbar und jagte ihm einen siedend heißen Schauer den Rücken hoch. So angenehm wie der Moment war, so schnell war er auch wieder vorbei. Der Finger in Latex zog sich aus seinem Enddarm zurück, womit die Untersuchung beendet war. “Gut, das war es dann auch schon, du kannst heruntersteigen und ihr könnt euch wieder anziehen." Als Julian vom gynäkologischen Stuhl herunter stieg, stieß er fast mit Anna zusammen, die sich gerade in Richtung ihres Klamottenstapels aufgemacht hatte. Julian meinte, eine Spur von Lust zu riechen, als sie an ihm vorbei glitt.

“Ihr könnt dann zurück auf euer Zimmer gehen, eure Bezugspflegerin Nadine wird euch dann gegen 16:30 Uhr alles Weitere zeigen und die eigentliche Aufnahmeuntersuchung mit euch machen. Am besten zieht ihr euch bis dahin etwas Bequemes an, ansonsten habt ihr erst einmal Zeit für euch. Wir sehen uns nächste Woche Montag, wenn alles glatt läuft.” Die Zeit, in der Michael ihnen das erklärt hatte, hatte gerade so zum Anziehen gereicht, da öffnete er den beiden auch schon die Tür. So setzten sich Anna und Julian in Bewegung, wieder in Richtung ihres Zimmers. Julian wagte kein Wort zu reden. Dabei drängten sich ihm mittlerweile einige Fragen auf. Was war das überhaupt für eine Klinik? Was wusste Anna, was er nicht wusste? Und am Wichtigsten: Worauf war sie aus? Ihre Körpersprache war recht eindeutig - Julian zugewandt, dabei gleichzeitig aber schüchtern ihm gegenüber. Da sie beide jetzt aber einen recht intimen Moment miteinander geteilt hatten, bot das eine willkommene Gelegenheit zum Reden an.

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Phantomias Vor 1 Woche