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Aufrufe: 259 Created: Vor 2 Wochen Updated: Vor 2 Wochen

Der Behandlungsstuhl

Gefangen

Ihr Atem stockte, ihr Herzschlag setzte für einen Moment aus. In dem Moment spürte sie, wie sich ein Knoten in ihrem Bauch bildete.

Entsetzt zog sie an den Händen – kein Spielraum. Die Manschetten hielten fest, nicht schmerzhaft, aber bestimmt.

Ein prickelndes Gemisch aus Anspannung und Angst schoss ihr durch die Adern. Alleine würde sie aus der Situation nicht rauskommen, sie war darauf angewiesen, dass man sie hier entdecken würde.

Und dann hörte sie draußen Schritte.

Die Schritte wurden lauter, dumpf über den Linoleumboden des Flurs.

Mara zog ruckartig an den Manschetten, doch der Mechanismus war starr, unbeirrbar. Das leichte Scharren der Metallscharniere wirkte in der Stille fast peinlich laut.

Sie atmete durch. Natürlich würde es mega peinlich, wenn sie erklären muss, was sie hier in diesem Stuhl machte - aber zumindest wird sie hier nicht verhungern müssen.

Die Tür öffnete sich ohne Anklopfen.

Eine Frau in hellgrünem Kittel trat ein, mittellang gebundenes Haar, resoluter Blick.

„Ah, da sind Sie ja endlich!“

Sie schien nicht im geringsten irritiert zu sein, dass Mara hier festgeschnallt im Behandlungsstuhl saß. Ihre Stimme hatte diesen Tonfall, den nur Leute benutzen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass gerade alles nach Plan läuft.

“Wie es aussieht, hat Schwester Klara sie schon hereingelassen, wie schön.”

Mara blinzelte völlig irritiert in das Licht, das nun vom Flur hereinfiel. „Ich… äh…“

„Wir hatten schon Sorge, Sie würden den Termin sausen lassen“, fuhr die Frau fort, ohne sie anzusehen. Sie war bereits an der Behandlungseinheit, prüfte Instrumente, schaltete die Untersuchungslampe ein.

Ein Schwall grelles Licht fiel auf Maras Gesicht. Das Herz schlug ihr bis in den Hals.

„Moment, es gibt ein Missverständnis, ich—“

„Schon gut, ich weiß, Sie sind nervös“, unterbrach die Helferin mit einem Tonfall, der jede Widerrede zur Nebensache erklärte. „Deswegen sind die Gurte ja dran, nicht wahr?“

Mara öffnete den Mund, schloss ihn wieder, während die Frau hinter dem Kopfende irgendwas kramte. Einen Moment später spürte Mara ein gummiartiges Lätzchen, das ihr von hinten um den Hals gelegt wurde.

“Kopf vorbeugen” - Mara gehorchte perplex, und ein enger Klettverschluss schloss sich um ihren Hals.

Mara wollte nochmal protestieren, aber die Frau war schon dabei, Handschuhe überzustreifen, während sie routiniert den Sauger vorbereitete. Jede Bewegung wirkte eingespielt, wie ein Automatismus.

Die Geräusche – das leise Knarzen der Handschuhe, das metallische Klirren auf dem Tablett – mischten sich mit dem pochenden Blut in Maras Ohren. Ihr war schwindelig, und die Situation, sowie das blendende Licht machten Sie orientierungslos.

Zu guter Letzt kontrollierte die Helferin noch die Handmanschetten. Mit einem Ruck zog sie einen der Ledergurte fester, der Lederriemen schloss sich fester um Maras Handgelenk.

„Der Doktor ist gleich da“, sagte die Helferin, und diesmal klang es wie ein Versprechen. Oder eine Drohung.