Dr. Schneider und Frau Kirschner
Die Diagnose und erste Füllung
Der Morgen war routiniert verlaufen, keine Besonderheiten. Nur ältere Patienten mit relativ komplizierten Zahnersatz. Es war immer nett mit den zum teil langjährigen Patienten zu sprechen, aber heute hatte es ihn gelangweilt.
Thomas schaute in den Terminplan. "Melanie Kirschner, *1988: Kontrolle [NeuPat]"
Ok, immerhin vielleicht eine attaktive Frau, Ende 30, mal schauen. Hoffentlich keine mit Zahnarztphobie. Die wechselten ja auch gerne mal den Arzt und es wird nervig, dachte er als er den digitalen Anamnesebogen anschaute. Ok, Nichtraucherin schon mal ein Pluspunkt. Schauen wir mal.
Er öffente den Behandlungsraum 2. Im Behandlungsstuhl saß schon eine nicht mehr ganz junge aber bildschöne Frau. Insgesamt machte sie einen etwas kühlen Eindruck auf Thomas. Ihre makellose Frisur und Kleidung hätten ihn früher sicher verunsichert. Heute freute er sich über sein Glück.
Gleichzeitg stieg irgendwo in ihm ein dunkler Gedanke auf. Er hatte Lust, Frau Kirschner etwas weh zu tun. Er wischte den Gedanken weg. Du spinnst doch.
"Guten Tag, sie müssen Frau Kirschner sein! Freut mich sehr, ich bin Dr. Schneider!"
"Guten Tag"
"Was kann ich für Sie tun, sie sind zum ersten mal bei uns?"
"Ich komme zur Kontrolle, ich bin erst vor kurzem umgezogen."
"Ok, das freut mich sehr, dass sie den Weg zu uns gefunden haben."
Frau Kirschner lächtelte etwas unsicher.
"Haben Sie irgendwelche Beschwerden?"
"Nein, gar nicht!"
Er holte das vorbereitete Instrumententray zu sich heran. "Dann schaue ich gerne einmal." Er ließ den Stuhl etwas zurückfahren und die Helferin Larissa stellte das Licht ein.
Als er mit dem Spiegel und Sonde eine Bewegung zu Frau Kirschner hin gemacht hatte, öffente sie ihren Mund. Brav, dachte Thomas.
An ihren 6ern im Unterkiefer hatte Frau Kirschner jewils mittelgroße Amalgamfüllungen auf den Kauflächen. Etwas anderes sah er auch noch: der 7er im rechten Unterkiefer hatte eine Karies. Die Weißheitszähne fehlten. Er begann seine Untersuchung am kariösen Zahn. Er pustet etwas Luft auf den Zahn. Die Sonde brauchte er hier zur Diagnose eigentlich gar nicht. Kräftig kratzte er in der Karies. "4-7 c" diktierte er Larissa. Frau Kirschners Augen weiteten sich etwas. Noch einmal zog er die Sonde kräftig durch die aufgeweichte, dunkle Fissur. "Am Backenzahn ist eine Karies. Tut es weh?". Frau Kirschner wurde rot. "Nein, also bei der Untersuchung war es jetzt etwas unagenehm, sonst gar nicht". Er kratzte wieder an der Karies. Leicht verzog seine Patientin nun das Gesicht. "Da müssen wir eine Füllung machen." Frau Kirschner nickte. Thomas setzte die Untersuchung fort. "4-6 saniert, Amalgam, intakt". Die Amalgamfüllung war noch in einem guten Zustand, auch die Ränder sahen gut aus. "Die ist schon etwas älter, oder?" "Ja, die habe ich glaube ich vor 20 Jahren oder so gekriegt." Auch die anderen Zähne im Unterkiefer und die Amalgamfüllung auf der linken Seite sahen gut aus. Im Oberkiefer waren ebenfalls die beiden 6er mit Amalgam gefüllt. "Bis auf die Karies im Unterkiefer sieht sonst alles gut aus. Wann waren Sie das letzte Mal beim Zahnarzt?"
Frau Kirschner wurde wieder rot. "So vor 2 Jahren etwa..." "Ok, dann machen wir heute auch Röntgenbilder um die Zwischenräume gut beurteilen zu können." Frau Kirschner nickte.
"Die Karies können wir dann im Anschluss gleich behandeln. Frau Kirschner schluckte und wurde noch etwas röter. Thomas gefiel es gut, wie das Selbstbewusstsein seiner Patientin einen deutlichen Knacks bekommen hatte.
"Wir sehen uns gleich wieder."
Die Röntgenbilder waren fertig. "Leider sind hier doch noch 2 weitere Löcher zu sehen." Thomas tippte am Bildschirm auf die 7er im Oberkiefer, die beide größere kariöse Defekte an der Vorderseite zeigten. "Das sind die Zahnzwischenräume, die sind leider mit der normalen Zahnbürste nicht gut sauber zu machen." "Und sind das schon große Löcher?" Frau Kirschner sah inzwischen so aus, als würde sie gleich anfangen zu weinen. Thomas bekam etwas Mitleid. "Die sind schon etwas größer, für die Behandlung müssen wir uns etwas Zeit nehmen. Machen Sie dafür bitte 2 Termine aus. Jetzt behandeln wir den Zahn im Unterkiefer."
Für die Behandlung hatte die Helferin Larissa schon alles vorbereitet. Thomas sondierte den Defekt noch einmal. "Wir entfernen die Karies und legen dann eine zahnfarbene Kunstoffüllung. Amalgam verarbeiten wir hier gar nicht mehr. Die Kasse übernimmt das aber nicht volständig, da kommen etwa 80€ Eigenanteil dazu." Frau Kirschner hatte sich wieder etwas gefasst. "Ok, das ist in Ordnung."
"Ich würde einmal ohne Betäubung beginnen, die Karies ist noch nicht so tief. Sie melden sich einfach, wenn wir doch spritzen sollen." "Ja, ok."
Schon hatte er das Handstück der Turbine in der Hand. Larissa legte den Sauger in die Wange und mit dem Spiegel zog Thomas die Wange etwas zu sich. Er setzte den Bohrer auf den Zahn und es ging los. Frau Kirschner zuckte kurz zusammmen, dann versuchte sie sich etwas zu entspannen. Tiefer grub sich der Bohrer in den Zahn. Der Defekt war doch etwas größer als gedacht. Mal sehen wie lange seine Patientin durchhielt. Sie hob die Hand. Thomas nahm den Bohrer aus dem Mund. "Geht es noch?" "Es wird etwas unangenehm, müssen Sie noch lange bohren?" "Die Karies ist doch etwas größer als gedacht, wir haben es aber gleich geschafft." "Ok, dann versuche ich es noch ohne Spritze." Nachdem Thomas einen Moment weitergebohrt hatte zuckte Frau Kirschner zusammen und stöhnte auf. Er nahm wieder den Bohrer aus dem Mund. "Wir müssen nur noch einmal den Bohrer wechseln, dann sind wir bald fertig." Er wechselte auf den Rosenbohrer und da seine Patientin den Mund brav wieder aufmachte drückte er den Bohrer direkt wieder fest in den schon weit aufgebohrten Zahn. Ein leises Stöhen entwich seiner Patientin, die ihr Hände fest in die Armlehne krallte. Den Mund hielt sie allerdings weit geöffnet, so das Thomas weiter machte. "Gleich geschafft". Er nahm den Bohrer aus dem Mund und sondierte den Zahn. Dann pinselte er etwas Caries Detector Lösung in den Zahn und nahm den Bohrer wieder zur Hand. "Wir müssen noch etwas Karies entfernen." Frau Kirschner nickte ergeben und öffente den Mund. Wieder setzte Thomas den Bohrer an den Zahn. "Auuuua" "Gleich geschafft, halten Sie durch." Er bohrte noch eine letzte Stelle aus und hing den Bohrer weg. Jetzt war Thomas mit dem Ergebnis zufrieden. Länger hätte er das hier wohl auch nicht durchziehen dürfen... "Ok, die Karies ist entfernt." Er griff noch einmal nach der Turbine und sah den Schreck in Frau Kirschners Augen. "Ich schleife nur die Kanten noch etwas an, das sollte nicht mehr weh tun". Das kurze Bohren weiter oben am Zahn war wirklich deutlich erträglicher für seine Patientin.
Das Legen und Aushärten der Füllung gingen danach schnell und routiniert. Frau Kirschner wischte sich kurz über die Augen als der Stuhl hochfuhr. "Es war doch tiefer als gedacht, tut mir leid. Ich hätte Ihnen die Betäubung geben sollen." Thomas fühlte sich unwohl, das war echt etwas heftig gewesen. Frau Kirschner blickte ihm in die Augen. Ihr Selbstbewusstschein schien wieder zurückgekehrt zu sein. "Es ist schon in Ordnung, Sie haben ja gefragt. Ich wollte es auch einfach hinter mir haben." "Sie waren sehr tapfer. Die beiden Zähne im Oberkiefer machen wir aber mit Betäubung." Frau Kirscher stand auf und gab ihm die Hand. "Vielen Dank und auf Wiedersehen."
Sehr gut geschrieben. Ich bin gespannt …
Toll geschrieben, freue mich auf die Fo…
ich bin gespannt, wie der nächste Termi…
Gut geschrieben. vielen dank.