Lauras ungeplanter Zahnarzttermin
Endlich durchatmen
Lauras Kopf ruht apathisch auf dem Kopfpolster, ihr Blick ins Leere gerichtet.
Dr. Braun wendet sich leicht sarkastisch an Sophie: “Ist deine Freundin immer so wehleidig?”
Sophie zögert kurz, dann lächelt sie verlegen. „Ja, ein bisschen Angst vorm Zahnarzt hat sie schon.“
Die Helferin kichert leise. „Ach, das kennen wir. Aber für so eine Kleinigkeit? Da sind unsere kleinen Patienten oft tapferer. Sie stellt sich gerne etwas an, was?”
“Oh ja, das stimmt”, kichert Sophie: “Manchmal ist sie schon eine ziemliche Drama-Queen.”
Dr. Braun nickt zustimmend. „Man darf sich da nicht so reinsteigern. Du würdest doch für so eine kleine Füllung nicht so ein Theater machen, oder?“
Sophie lacht auf und schüttelt den Kopf. „Nein, ich glaub nicht.“. Sie hat auch paar kleine Füllungen - die waren nie ein Problem, zumindest hatte sie sich definitiv nicht so angestellt.
Dr. Braun wendet sich an Laura: . „Siehst du, Laura? Gar nicht nötig, sich so reinzusteigern, nicht wahr?“
Laura starrt weiterhin mit glasigem Blick vor sich hin. Ohne es wirklich zu registrieren, schüttelt sie geistesabwesend bestätigend den Kopf.
“Wunderbar”, stellt er begeistert fest, “dann wollen wir mal fertig werden.”
Laura starrt ihren Zahnarzt skeptisch an, den Mund fest geschlossen.
Dr. Braun beugt sich erneut über seine Patientin. „Den Molt bitte“, fordert er seine Helferin auf, die ihm irgendwas reicht, ein scherenartiges Instrument, mit gebogenen, mit weichem Gummi überzogenen Enden.
„Den Mund bitte ein Stück auf“, sagt Dr. Braun in seiner gewohnt ruhigen, bestimmten Stimme. „Das hier wird dir helfen, dich zu entspannen.“
Laura hat keine Ahnung, was das sein könnte und öffnet skeptisch den Mund nur ein kleines Stück.
Mit geübten Griff schiebt der Zahnarzt ihren Mund einen Zentimeter weiter auf, nahezu gleichzeitig setzt er das Gerät an ihrem linken Mundwinkel an.
Noch bevor Laura ganz begreift, was passiert, wird ihr Mund, begleitet von einem leisen, metallisch klackernden Geräusch, Stück für Stück weiter geöffnet.
Eine Sorgenfalte bildet sich auf ihrer Stirn, während erneute Panik sie durchflutet. Nein, das will sie nicht! Sie fängt an, unruhig im Stuhl zu zappeln.
“Psscht, schön stillhalten!”, flüstert der Zahnarzt ihr ins Ohr.
“Deine Freundin stellt sich wirklich ziemlich an”, sagt er zu Sophie. Sophie verfolgt die Szene mit stiller Faszination und nickt geistesabwesend.
Einen Moment später heult der Bohrer wieder auf. Laura versucht, durchzuhalten, sich keine weitere Blöße vor ihrer Freundin zu geben - erfolglos!
Als der Bohrer die empfindliche Stelle unten im aufgebohrten Backenzahn trifft, wimmert Laura auf. Ihre Beine zucken und sie fängt an, im Stuhl zu zappeln.
Der Zahnarzt ignoriert es eine Weile, macht eine kurze Pause und lässt den Bohrer wieder tiefer im Zahn versinken.
Laura hat die Augen fest zugekniffen, würde am liebsten ihren Kopf schütteln, um den Bohrer “abzuschütteln”, aber der Griff des Zahnarztes hält ihren Schädel fest in Position. Der Retraktor in ihrem Mund sorgt gleichzeitig dafür, dass der Mund weit aufgesperrt und der Zahnarzt ungehinderten Zugang zu ihren Zähnen hat.
Tränen laufen aus ihren Augen und sie fleht innerlich, dass es bald vorbei ist.
Die scharfe Bohrspitze wandert durch den vorderen der beiden Backenzähne, umgeben von dem feinen Nebel der Wasserkühlung. Der Teil des Wassers, das nicht im Sauger verschwindet, sprüht aus Lauras Mund und benetzt Kinn und Teile des Gesichts.
Längst spürt sie das Wasser nicht mehr, weil sich alle ihre Sinne auf den Bohrer fixieren.
Die Turbine frisst sich durch die Zahnsubstanz wie durch Butter. Wo eben noch die stabile Seitenwand des Zahnes war, ist plötzlich die Hälfte weggefräst und verschwindet mit dem Wassergemisch im Sauger.
Laura zuckt zusammen und wimmert auf, als der Bohrer sich nun tiefer in den Zahn vorarbeitet. Nur der ruhigen Hand des Zahnarztes ist zu verdanken, dass die mittlerweile filigranen Seitenwände wie geplant stehen bleiben, und dass der Bohrer nicht zu tief im Zahn versinkt. Es dürften nur noch Bruchteile von Millimetern sein, bevor der Bohrer versehentlich die Pulpa öffnet und damit auf die Nerven im Zahn trifft. Dementsprechend langsam und vorsichtig arbeitet Dr. Braun.
Sophie beobachtet ihre Freundin mit sichtlicher Faszination. Noch nie hat sie es so intensiv erlebt. Lauras weißen Sneaker liegen unruhig auf der Beinablage und zucken unkontrolliert herum.
Die Hände ihrer Freundin sind fest um die Armlehnen gekrallt, die Knöchel ganz weiß von dem verkrampften Griff.
Der Brustkorb angehoben und jeder Muskel angespannt. Die Schultern dabei hochgezogen und aufs Äußerste gespannt.
Lauras Gesicht ist zu einer Grimasse verzerrt, eine tiefe Sorgenfalte zeichnet sich auf der Stirn ab. Ansonsten ist ihr Gesicht unbewegt, versteinert, während sie versucht, die Behandlung zu ertragen.
Sophie bereut es nicht, mitgekommen zu sein. Eigentlich hatte sie schon immer eine Faszination dafür. Aber sie ist auch froh, nicht selber im Stuhl zu sein. Auch wenn sie gute Zähne hat, Dr. Braun scheint ein bisschen gröber vorzugehen als ihre Zahnärztin.
Sophie fixiert ihren Blick wieder auf Lauras Mund. Der Bohrer arbeitet unvermindert weiter, als er ihrer Freundin wieder ein Wimmern entlockt.
Mehr und mehr Zahnsubstanz verschwindet für immer im Sauger, während sich die Bohrspitze unaufhaltsam in den Zahn frisst. Unglaublich, wie lange sich ein Bohrer in einem so kleinen Zahn austoben kann. Zwei hauchdünne Seitenwände werden die künftige Füllung halten müssen, ansonsten gafft da vor allem ein großes Loch.
Dr. Braun erhöht den Druck auf den Bohrer leicht. Dieser gräbt sich sogleich noch tiefer in das Dentin.
Jetzt kann Laura nicht mehr - sie stöhnt lautstark auf. Ein lautstarkes “ahhh” durchdringt den Raum und hallt durch die ganze Praxis.
Dr. Braun bewegt den Bohrer ohne Hast noch zweimal in der Zahnruine hin und her, dann stoppt er endlich und hängt ihn zurück.
Lauras Aufschrei verstummt.
Dr. Braun entfernt mit einer routinierten Bewegung den Retraktor aus Lauras Mund. Sie kann den Mund wieder schließen. Erleichterung strömt durch ihren Körper. Ihre Schultern sinken wieder nach unten, der Brustkorb senkt sich.
Fantastisch 🥰
mega! vielen Dank fürs weiter schreiben…
Fände es interessant wenn Sophie evtl a…
sehr realiatisch
bin echt gespannt wie…