Der überraschende Einlauf
Im Herbst 1969 suchte ich mir eine Studentenwohnung in einer mittelgroßen Stadt. Damals war es auch schon nicht so einfach eine kleine Studentenbehausung zu finden. Nachdem ich ein paar Tage vergeblich gesucht hatte, gab mir ein anderer Student einen Tipp. „Da in der Kölner Straße ist ein Friseursalon, dort könntest du eventuell Glück haben“! Es war ein 4-stöckiges Gebäude, im Erdgeschoss war ein Damen- und ein Herrenfriseur. Ich fragte bei den Damen höflich, ob sie eventuell ein Zimmer zu vermieten hätten. Ja, im 4. Stock wäre etwas frei. Die Chefin ging mit mir nach oben. Dort war zum Treppenhaus hin eine Abschlusstüre. Sie sagte, dass dort auf der linken Seite noch eine separate Wohnung sei, die von einer netten älteren Dame bewohnt würde. Wir hätten also vom Flur aus, den gleichen Zugang. Ich willigte also ein und bezog die Wohnung am kommenden Tag. Nun sollte ich mich kurz der Nachbarin vorstellen. Ich klopfte an der Eingangstüre und es öffnete mir eine etwa 70- jährige nette kleine Frau. Sie bat mich herein und wir stellten uns gegenseitig vor. Nach ein paar Tagen traf ich sie wieder im Flur, wir unterhielten uns kurz und sie sagte: Wenn es dir nichts ausmacht, lass die Teller und Tassen einfach stehen, ich werde das dann zwischendurch für dich spülen. Ja, sie war sehr nett, alleinstehend und nie verheiratet gewesen, man merkte, das es ihr gut tat etwas Anschluss zu finden und sie plauderte gerne. Im darauffolgenden Winter hatte ich mir eine leichte Grippe zugezogen und fand es besser wenn ich mir etwas Bettruhe gönnen würde. Als sie bemerkte das ich die Wohnung nicht verlassen hatte, kam sie an mein Bett und musste gleich bemerkt haben, dass ich Fieber hatte. Sie legte ihre Hand auf meine Stirn und sagte: „Du hast bestimmt Fieber, soll ich mal einen Thermometer holen“ Anschließend kam sie mit dem Fieberthermometer zurück. „Ich habe bis vor 5 Jahren als Krankenschwester gearbeitet, ich habe mit sowas Erfahrung, das habe ich dir direkt angesehen“ Dann bat sie mich, auf die linke Seite zu drehen. Aus Scham bekam ich kein Wort heraus, denn damit hatte ich natürlich nicht gerechnet. Du brauchst dich vor mir nicht zu zieren, ich mache das ganz vorsichtig! „Rektal messen ist sicherer, darf ich dir die Hosen etwas nach unten ziehen, sagte sie.“ Sie schüttelte das Thermometer herunter. Das alles kam jetzt etwas überraschend für mich. Ich spürte wie sie mir die Pobacken mit Daumen und Zeigefinger spreizte und mit der anderen Hand das Thermometer durch den Schließmuskel gekonnt einführte. So, das muss jetzt fünf Minuten drinnen bleiben, sagte sie. Ich hoffte nur, dass sie meine intensive Gesichtsröte und Verlegenheit nicht bemerkte. Nach einiger Zeit zog sie das Teil heraus….39,7 Grad. Das habe ich mir fast gedacht ,, merkte sie an. Um so hohes Fieber zu reduzieren, haben sich Einläufe bewährt. Ich sollte dir etwas hinten rein spritzen! Früher, als wir jung waren und noch in Ostpreußen lebten, bekamen ich und meine beiden Schwestern regelmäßig bei solchen Unpässlichkeiten Einläufe verabreicht. " Hast du schon einmal einen Einlauf gemacht bekommen" ? Ich, ich glaube aals Kiind, wenn das sowas war, im Krankenhaus. Meine Stimme war etwas holprig durch die Aufregung. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war ein Sanitätshaus. „Ich besorge mir mal eben im Sanitätshaus Becker ein Klistierbällchen, bin dann gleich zurück“! Ich lag in meinem Bett und wusste nicht was da auf mich zukommen würde. Ich hatte zwar als Kind im Krankenhaus von einer jungen Krankenschwester einen Einlauf bekommen, aber der Begriff „Klistierbällchen“ war für mich neu und in dem Alter fühlt man sich bei derartigen Behandlungen natürlich irgendwie ausgeliefert. Nun lag ich unter meiner Decke und es gingen mir einige Gedanken durch den Kopf, so von Neugier bis Scham.